Erben auftreten, und daher wäre nur noch die «kleinere Anzahl der Bewohner im Falle, sich mit Ackerbau ernähren zu können».256 Das restliche Drittel Boden würde nicht ausreichen, die übrigen Bewohner zu ernähren. «Es würde daher ein grosser Theil der Bewohner zum Auswandern genöthiget seyn, indem sich hier Landes keine Gelegen- heit darbiethet, durch Handlung, oder Gewerb Unterhalt und Brod zu verdienen.»257 Da durchschnittlich zwei Drittel des Privatbodens «für Passivkapitalien verpfändet» seien, würden die Auslösungsbeiträge so gering ausfallen, dass deren Bezüger davon niemals «ohne Acker- bau, Handlung oder Gewerb» den Lebensunterhalt verdienen könn- ten.258 Die Übernehmer von Haus und Gut andererseits wären niemals in der Lage, die Auslösungssummen aufzubringen und zugleich die Hypothekarlasten zu tragen.259 Ausserdem wurde vorgebracht, «dass eine Wertverminderung der dem Hause zugeschriebenen Grundstücke zu erwarten sei.200 — In einem Begleitschreiben zum Gesuch der Orts- vorstände widerlegte das Oberamt die vorgebrachten Einwände gegen das Grundbuchpatent.261 Es war die Ansicht, der wenige Boden müsse den Häusern zugeschrieben werden, um eine gute Bewirtschaftung zu erreichen; dadurch dass die jüngeren Geschwister keinen oder nur we- nig Boden erhielten, würden sie angehalten, im Ausland ein Gewerbe zu erlernen und auf andere Weise ihr Brot zu verdienen: Von der irri- gen Meinung, dass jeder in seiner Heimat von dem ihm zugeteilten Bo- den leben müsse, rühre es her, dass sich im Fürstentum kein gesundes Gewerbe bilden könne, meinte das Oberamt. Das Amt widerlegte auch die übrigen Einwände der Ortsvorstände und schrieb schliesslich wört- lich: «In nichts anderem als in der fast unglaublichen Zerstüklung der Grundstücke und in dem Wahn, dass man von nichts anderem, als vom Ackerbau leben könne, ist die eigentliche Ursache der so enormen Pri- vatverschuldung zu suchen.»262 Abschliessend stellte das Oberamt den Antrag, die neue Grund- und Güterordnung, wenn nicht anders mög- lich, «zum Wohle des Landes mit Gewalt einzuführen».263 — Die Hof- kanzlei wies daraufhin das Gesuch der Ortsvorstände ab und beharrte auf der angeordneten Errichtung des Grundbuches.264 Bei der prakti- schen Durchführung kam die Obrigkeit den Wünschen der Untertanen 256 a. a. C, Punkt 2. 257 a. a. O., Punkt 3. 258 a. a. O., Punkt 4. 259 a. a. O., Punkt 5. 260 a. a. O., Punkt 6. 261 LRA SR B 2, ad Nr. 280 pol. 23. Mai 1809. OA an HKW. 262 a. a. O. 263 a. a. O. 264 LRA SR B 2, Nr. 413 pol. 10. Sept. 1809. HKW an OA. 151
        

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