tätigen),231 1874 war deren Zahl infolge der guten Wirtschaftslage in Industrie und Gewerbe auf 999 gesunken und stieg dann wieder, haupt- sächlich als Folge der Krisensituation in der Textilindustrie, bis 1885 wieder auf 1232 an. 1891 gab es in Liechtenstein 1066 hauptberufliche Landwirte, 1901 waren es 792 und 1911 gar nur noch 740 (22.4% der erwerbstätigen Bevölkerung). — Auch diese Verringerung der Zahl hauptberuflicher Landwirte führte zu einer leichten Vergrösserung der durchschnittlichen Betriebsgrösse.282 Trotz Gemeindebodenaufteilung und trotz Rückganges der Anzahl der Betriebe hatte die liechtensteini- sche Landwirtschaft im 19. Jahrhundert lediglich den Schritt vom Zwergbetrieb zum Kleinbetrieb vollzogen. Begüterte Grossbauern mit stattlichen Höfen und zahlreichem Gesinde hat es nie gegeben. Der liechtensteinische Bauernhof des 19. Jahrhunderts war im wesentlichen ein kleiner Familienbetrieb. Ein besonderes Problem war die extreme Zerstückelung der Güter. Das alte, im Landsbrauch festgehaltene Erbrecht hatte es ermöglicht, alle Grundstücke im Erbfall frei unter die Anteilsberechtigten zu ver- teilen.233 Landvogt Schuppler gibt dazu folgende Beschreibung. «Starb ein Familienvater, so war es nicht an dem genug, dass die Güter einzeln unter seine Erben getheilt worden wären, sondern es musste unter dem Vorwande, dass keiner verkürzet werde, jedes einzelne Stück in so viele Theile als Erben waren, zerstüklet und jedem sein Betrefniss an jedem Stück Boden zugewiesen werden. Diese Zerstüklung gieng von Erbfall zu Erbfall, die Güter wurden so immer kleiner, woher es kömmt, dass die dermahligen in den kleinsten Abtheilungen bestehen.» 
234 — Landvogt Menzinger schildert 1803 die missliche Wirtschaftslage des Landes und bemerkt unter anderem: «Die allzu viele Zerstickelung der Güter, die hieraus entspringende Nothwendigkeit so vieler Stallungen und holzfressender Gebäude, besonders am Triesnerberg, wo ein Mann bies 20 Stallungen hat, die Versauung der Zeit die man mit Herumlaufen auf diesen oft eine Stund weit und darüber entlegenen Gütern verlieret, die Hindernisse in der Benutzung, die von selbst hier- aus entspringen, oder die einer dem andern geflissentlich in den Weg 231 Bezüglich der hier gegebenen Zahlen über die hauptberuflich in der Landwirtschaft erwerbstätigen Bevölkerung, vgl. Wohnbevölkerung-Volks- zählungen 1812-1930, Vaduz 1962. 232 Wenn auch sehr oft weiterhin Landwirtschaft betrieben wurde, so wurde doch da und dort wegen eines aufgelassenen Betriebes zusätzlicher Boden für die verbleibenden Landwirte frei. 233 Betr. altes Erbrecht, vgl. Albert Schädler, Die alten Rechtsgewohnheiten und Landsordnungen der Grafschaft Vaduz und der Herrschaft Schellen- berg, sowie des nachherigen Fürstentums Liechtenstein, JBL 5 (1905), S. 44-56. 234 LRA LBS, S. 49. 147
        

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