1000 Kl. eigenes Land und konnte nur auf der Basis des Gemeinbesitzes Landwirtschaft betreiben.227 Für das ausgehende 19. Jahrhundert liegen keine Angaben über die Grösse der Landwirtschaftsbetriebe vor. Verteilt man die für 1890 ge- schätzten 11.7 Millionen Kl. privaten Agrarlandes auf die damals haupt- beruflich tätigen 1066 Landwirte,228 so ergibt sich eine durchschnittliche Betriebsgrösse von gut lO'OOO Kl. Neben den 11.7 Millionen Kl. Privat- boden standen den Bauern aber noch annähernd 3 Millionen Kl. Ge- meindeboden zur individuellen Nutzung zur Verfügung. Die Produk- tionsbasis der liechtensteinischen Landwirtschaftbetriebe hatte sich im Verlaufe des 19. Jahrhunderts beträchtlich erweitert, und sie sollte vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges einen vorläufigen Höchstand er- reichen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kann man mit rund 1100 Landwirt- schaftsbetrieben im Fürstentum rechnen.229 Der ausgedehnte Gemein- besitz und dessen gemeinsame Nutzung hatten es ermöglicht, dass rund 90°/o der Familien in der Landwirtschaft ihr allerdings oft kärgliches Einkommen fanden. Durch die Aufteilung der Gemeinheiten wurden die einzelnen Landwirte immer mehr auf das von ihnen allein bewirt- schaftete Land angewiesen. Wer wenig eigenen Boden hatte, konnte trotz der zugeteilten Gemeindegründe in der Landwirtschaft allein nicht mehr sein Auskommen finden und wandte sich anderen Erwerbs- zweigen zu. Je nach der wirtschaftlichen Lage dieser Erwerbszweige suchten dort mehr oder weniger Landwirte ihren Verdienst. In schlech- ten Zeiten kehrte ein Teil der Bürger mit wenig eigenem Grundbesitz notgedrungen wieder hauptberuflich zur Landwirtschaft zurück. Stall, etwas Vieh und Gerätschaft waren ja immer vorhanden, da man ne- benberuflich immer Bauer geblieben war. Ein Ansteigen der Zahl der hauptberuflich in der Landwirtschaft Erwerbstätigen lässt somit auf versteckte Aubeitslosigkeit schliessen.230 In den 60-er Jahren zählte man ungefähr 1200 hauptberufliche Landwirte (ca. 30% der Erwerbs- 227 In einem Gesuch der Liechtensteinischen Untertanen an den Fürsten (HKW S 304. 10. Dezember 1807) wird erwähnt, dass der grösste Teil der Bürger insgesamt weniger als 400 Kl. Boden besitze. — Das bereits er- wähnte Gutachten von Erstenberger (HKW S 304, 11. Januar 1808) nimmt an, dass 600 Familien weniger als 400 Kl. Grundeigentum hätten. 228 Volkszählung von 1890. 229 Siehe Anm. 219, S. 144. 230 Wohnbevölkerung-Volkszählungen 1812 -1930, Vaduz 1962. - Gleich- zeitig mit der ansteigenden Zahl der in der Landwirtschaft Erwerbs- tätigen wuchs auch die Zahl der Auswanderer in wirtschaftlich schlechten Zeiten. - Vgl. oben, S. 56-62. 146
        

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