Eigentums - und Besitzverhältnisse Wälder, Alpen und das zur Hauptsache im Gebirge liegende unpro- duktive Land, insgesamt ca. 62 % der Gesamtfläche, waren wie schon früher, so auch im 19. Jahrhundert Gemeinbesitz der Nachbarschaften bzw. Gemeinden. Daran hat sich bis heute im wesentlichen nichts ge- ändert. Von den restlichen ca. 16.7 Mio Klaftern Agrarland (Wiesen, Äcker, Riede und Auen), zu Beginn des 19. Jahrhunderts ebenfalls mehrheitlich Gemeingut, ging im Verlauf des Jahrhunderts ein be- trächtlicher Teil in den Privatbesitz der Gemeindebürger über.211 Für 1842, als bereits ein Teil der Gemeinheiten ins Privateigentum ausge- geben worden war, und die Auflösung des Lehenverbandes und des Trattwesens kurz bevorstand, kann das «grundherrliche» Land samt Pf rundbesitz mit etwa 1.5 Millionen (9%),212 die Fläche der privaten Eigengüter mit etwa 5.5 Millionen Klaftern (33%)213 angenommen werden. Somit standen rund 7 Millionen Klaftern (42%) landwirt- schaftlicher Nutzfläche in Privatbesitz 9.7 Millionen Klafter (58%) in Gemeinbesitz gegenüber. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war das Verhältnis stark verändert. Die Gemeinden hatten noch rund 5 Millio- nen Klafter (30%) eigenes Agrarland, während 11.7 Millionen Klafter (70%) bereits in privater Hand lagen.214 Es darf angenommen werden, dass infolge der Aufteilung von Gemeinheiten ins Privateigentum und infolge von Bodenverkäufen durch die Gemeinden die Fläche des priva- ten Agrarlandes in Liechtenstein während des 19. Jahrhunderts um mehr als die Hälfte zugenommen hat.215 So hatte die Gemeinde Schaan bei 211 Vgl. oben, S. 107 - 125. 212 Betr. Boden der weltlichen und geistlichen Grundherren. Vgl. oben, S. 87-90. 213 Eine tabellarische Übersicht schätzt 1842 den Wert des gesamten Privat- bodens in Liechtenstein mit 2'229'128 fl. Der Wert des Privatbodens der Gemeinde Schaan wurde mit 325'936 fl angegeben. Dessen Fläche darf aber wie zu'Beginn des 19. Jahrhunderts mit rund 1 Million Kl. ange- nommen werden, (Vgl. Anm. 217), da in Schaan bis 1842 noch keine Aus- teilung von Gemeindeboden ins Privateigentum vorgenommen worden war. Nimmt man an, dass die wertmässige Zusammensetzung des Privat- bodens in allen Gemeinden des Landes ungefähr gleich war, so kann man aufgrund des bekannten Gesamtwertes von 2'229'128 fl auf eine Gesamt- fläche von ca. 7 Millionen Kl. schliessen. — LRA NR 22/1/10. «Uibersicht uiber den beiläufigen Werth der sämtlichen Privatliegenheiten im Souve- rainen Fürstenthum Liechtenstein, dann der zu den Häusern untrennbar geschriebenen Gütern in Wiener Klaftern», 28. Mai 1842. — Die hier ge- gebenen Zahlen beruhen auf groben Schätzungen. Wollte man genaueres Zahlenmaterial vorlegen, so müsste aus dem Grundbuch in mühevoller Kleinarbeit die Gesamtfläche des privaten Bodenbesitzes erst ermittelt werden. 214 Übersicht über den gemeindeeigenen Boden: LRA 1890/ad Nr. 376. o. D. 215 Die Fläche der privaten Eigengüter dürfte um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert noch beträchtlich kleiner als 1842 gewesen sein, da in- folge der obrigkeitlichen Verfügungen einige Gemeinden bereits Ge- meindeboden ins Privateigentum ihrer Bürger übergeführt hatten. 143
        

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