Liechtenstein sowohl auf Privat- wie auch auf Gemeindeboden ausge- übt wurde. Auf dem gesamten ehemaligen Gemeinbesitz, sowohl auf ins Privateigentum oder in den Nutzen ausgeteiltem Boden, als auch auf den verbliebenen gemeinsam bewirtschafteten Gemeindegütern (Gemeindeweide, Wald) haftete dieses, das Eigentum einschränkende Recht. Danach konnte jeder in einer Gemeinde ansässige Bürger mit seinem Vieh die ganzjährige Atzung, die Frühlings- und Herbstatzung, oder nur die Frühlingsatzung auf bestimmten Feldlagen ausüben. Auf bestimmte Gründe (hauptsächlich Gemeindeweiden) konnte jeder sein Vieh ganzjährig auftreiben, andere Güter mussten im Spätherbst nach der Ernte bis ins Frühjahr, zur Zeit der Aussaat, für den allgemeinen Viehauftrieb offengehalten werden. — Solche Tratt- oder Atzungsrechte standen einer rationellen Wirtschaftsweise entgegen. Der Private war sowohl in der Bewirtschaftung von Privatboden (ursprünglich ins Pri- vateigentum aufgeteilte Gemeinheiten!) als auch von nutzungsweise überlassenem Gemeindeboden gehemmt. Die beiden Termine der im Herbst einsetzenden Atzung und ihrer Beendigung im Frühjahr Hes- sen nur den Anbau von bestimmten Kulturen zu und verhinderten jede individuelle Bodenbewirtschaftung. Aus solchen Überlegungen heraus erliess Fürst Alois II. im 20. Juni 1843 ein Gesetz, womit das Tratt- oder Atzungsrecht auf Privatboden und auf Gemeindeboden, der den Bürgern ins Eigentum oder zur Nut- zung überlassen worden war, ab 1. Jänner 1844 aufgehoben bzw. ab- gelöst werden sollte.199 Die Bodeneigentümer bzw. Nutzniesser von Ge- meindeboden mussten die Trattberechtigten (Bürger der betreffenden Gemeinde) entschädigen.200 Die Ablösungssumme sollte durch gütliches Übereinkommen, bei Uneinigkeit durch oberamtliche Vermittlung fest- gesetzt werden. Die festgelegte Ablösungssumme war ab 1. Januar 1844 mit 5% zu verzinsen. Den Schuldnern wurde zur Zahlung der Ab- lösungssummen ein 10-jähriger Termin eingeräumt.201 Sofort nach Erlass des Gesetzes vom 20. Juni 1843 wurden die ent- sprechenden Anordnungen getroffen, die Schätzungen vorgenommen, und bis um die Jahrhundertmitte war die Atzungsauslösung in Liech- tenstein völlig abgeschlossen.202 — Eine Zusammenstellung über die 199 Trattablösungsgesetz vom 20. Juni 1843. (LRA NS 1843) Text siehe An- hang Nr. 44, S. 127- 134. 200 a. a. O., § 1. 201 Die genauen Ablösungsmodalitäten, Schätzungsvorschriften etc. sind in den Paragraphen 5 bis 17 festgelegt. — Vgl. Text im Anhang Nr. 44, S. 129 — 
132. — Akten über die Atzungsauslösung in den einzelnen Gemeinden: LRA NR 91/1 - 11. 202 LRA NR 91/10. 28. Mai 1844. Oberamtsprotokoll betr. die Ernennung und Beeidung der «Schätzmänner» für die obere und die untere Landschaft. - LRA NR 91/3, Nr 261. o. D. OA an HKW: Das Oberamt berichtet, dass im Jahre 1855 der Gemeinde Vaduz der letzte Teil des «Waidrechtes-Ablö- sungsbetrages» für die im Vaduzer Gemeindegebiet gelegenen fürstlichen Güter bezahlt worden sei. 139
        

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