Das Gemeindegesetz vom 1. August 1842117 war trotz der Bevormun- dung der Gemeinden durch die Obrigkeit ein Versuch, zu einer den Landesverhältnissen eher angepassten Regelung des Gemeindewesens zu gelangen, ein Kompromiss zwischen den Zielvorstellungen der Be- hörden und der Mehrheit der Gemeindsleute, die zur alten Ordnung zurückkehren wollte. Es war die erste allgemeine gesetzliche Rege- lung des Gemeindewesens in Liechtenstein. Schon seit langem ver- sprochen, vermochte sie den Streit um den Gemeindeboden nicht zu schlichten. Im -wesentlichen blieb der bisherige Zustand erhalten. Das Gemeindegesetz schrieb lediglich vor, dass die Benutzung des unbeweg- lichen Vermögens zum besten Nutzen der Allgemeinheit führen solle.118 Besondere Aufmerksamkeit sei den öden, unbenutzten, mit Gestrüpp verwachsenen und den sumpfigen Böden zu widmen, die entweder zu Schaf- und Ziegenweiden oder aber in Ackerland umgewandelt werden sollten.119 Aufgrund dieser Bestimmung teilten die Gemeinden, ange- halten durch die Obrigkeit, auch weiterhin Gemeinheiten auf, wenn immer möglich ins Privateigentum. — Manche Bestimmungen des Ge- meindegesetzes griffen auf die alten Dorfordnungen des 18. Jahrhun- derts zurück. Sie sind teilweise heute noch in Anwendung. Die 1847 im 117 LRA NS 1842; Das Gesetz wird im Hinblick auf Gemeindenutzen, Ge- meindevermögen und -bürgerrecht eingehend behandelt von Büchel, Ge- meindenutzen, S. 48 — 55. — Vgl. auch die entsprechenden Textausschnitte im Anhang, Nr. 41, S. 114-122. Am 19. Februar 1832 gab die Hofkanzlei dem Oberamt, das sich wegen der Durchführung der in den Jahren 1808 bis 1810 verfügten Neuordnung des Gemeindewesens in einer schwierigen Lage befand, einige Richtlinien: Die Freizügigkeit innerhalb des Landes, die Bürgerrechtserwerbung und die daraus entspringenden Ansprüche auf einen Anteil an den Gemeindegütern griffen tief in die Interessen des Volkes ein. Ein Teil der Bevölkerung würde zwar die Durchführung der obrigkeitlichen Verfügungen begrüssen, die Mehrheit hingegen sei der Auffassung, dass bei einer Umsiedlung von einem Ort zum andern mit der Besitznahme eines Hauses die Erwerbung des Bürgerrechtes nicht verbunden sei, sondern dass diese und der Anteil an den Gemeindegütern von der Zustimmung der Gemeinde abhangig sei. Aufgrund dieser Lage sei die Durchführung der obrigkeitlichen Anordnungen kaum möglich. Das Oberamt solle sich nun darauf beschränken, die Streitigkeiten wegen Einkauf und Gemeindegutanteil mit den betreffenden Parteien «im güt- lichen Wege» auszugleichen und beizulegen. Das Oberamt solle auf eine gesetzliche Regelung der unbefriedigenden Situation hinarbeiten. (HKW NR 22/1/10. 19. Febr. 1832. HKW an OA). - Aus dieser Haltung der Hof- kanzlei ist eine Kompromissbereitschaft eindeutig festzustellen, die sich dann im Gemeindegesetz von 1842 auch tatsächlich niederschlug. — Schon am 19. März 1832 reichte das Oberamt den geforderten Gemeindegesetz- entwurf ein. (LRA NR 22/1/10. 19. März 1832. OA an HKW). Es sollte aber noch 10 Jahre dauern, bis nach verschiedenen Korrekturen und Neuredak- tionen das Gemeindegesetz in Kraft treten konnte. 118 Gemeindegesetz vom 1. August 1842, § 82. (LRA NS 1842) Text siehe Anhang Nr. 41, S. 114 - 122. 119 a. a. O., § 85. Text siehe Anhang Nr. 41, S. 114 - 122. 118
        

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