40 Selbstmord, und 100 waren verletzt. Ähnlich sah es bei der Zwangs- auslieferung durch die Amerikaner im Februar im Lager Nattenberg bei Plattling aus, wo 2 000 Russen fortgeschafft wurden, — wiederum durchschnitten sich viele die Pulsadern oder nahmen sich auf andere Weise das Leben. Russen wurden ausgeliefert in Deutschland, Italien, Frankreich, Dänemark, Norwegen, Schweden und aus den Vereinigten Staaten. Auf diese Weise repatriierte man 6 — 7 Millionen Menschen. Wieviele es freiwillig taten, wird für immer unbekannt bleiben.1 Der Papst verurteilte öffentlich die zwangsweise Repatriierung. Im Zusammenhang damit hatte eine Vatikanstelle das Vorhandensein einer Geheimkläusel im Abkommen von Jalta gemeldet. Das Staats- department in Washington bestritt am 26. Februar eine solche Klausel und erklärte: zwangsweise.ausgeliefert würden an die Sowjetunion nur Deserteure, Verräter und Kriegsverbrecher, die zu Kriegsbeginn in Russland gelebt hätten. Dieses zu tun seien die USA durch den Vertrag verpflichtet.2 So nahmen die Zwangsrepatriierungen ihren Fortgang und dauerten bis ins Jahr 1947 hinein. Während diese Rückführungen vor sich gingen, erliess das Präsi- dium des Obersten Sowjets in Moskau am 14. Juni 1946 eine Verfü- gung, nach der auch den alten Emigranten im Auslande sowie deren Kindern die Möglichkeit geboten wurde, durch einen entsprechenden Antrag Sowjetbürger zu werden. Die Sowjetvertreter warben dafür im Auslande. Allerdings wurde keine Amnestie verkündet. Die «Neue Zürcher Zeitung» vom 6. September 1946 kommentierte das folgender- massen: Moskau versuche die im Westen antisowjetische Propaganda treibenden Kräfte auszuschalten. Die politischen Führer der Emigran- ten sollten um ihre Wirkungsmöglichkeit gebracht werden, indem man ihnen ihr Publikum entzog. Dass man auch in Liechtenstein die über den Flüchtlingen schwe- bende Drohung erkannte und fühlte, bezeugt uns u. a. eine von acht Bauern unterschriebene Eingabe an die Regierung vom 4. März 1946. Darin bitten sie, die Internierten bei ihnen in der Arbeit zu lassen. Sie wollten für ihren Unterhalt aufkommen. Ihr Gesuch begründen sie 1 Steenberg, S. 238/240. General Wlassow und seine Mitarbeiter wurden am 2. 8. 1946 in Moskau hingerichtet. 2 Basler Nachrichten/Abendblatt vom 27. 2. 1946. 92
        

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