finden. Am 11. Mai hatten die Truppen General Wlassows in Böhmen vor den Amerikanern die Waffen gestreckt, und diese hatten sie den Sowjets ausgeliefert. Die Offiziere und ein Teil der Mannschaften waren sofort-erschossen worden. Noch erschütternder lauteten die Nachrichten aus Kärnten. Dort hatte das Kosakenkorps vor den Engländern kapitu- liert und war zwischen dem 28. Mai und 1. Juni ebenfalls den Sowjets ausgeliefert worden. Es betraf 30 000 Kosaken und 2 200 Offiziere, da- runter 37 Generale, meist alte Emigranten, die keine Sowjetbürger wa- ren. Verzweiflungstaten waren geschehen. 134 Tote blieben zurück. In Deutschland hatten die Amerikaner im August in Kempten internierte Russen gewaltsam zu den Sowjets abtransportiert. Auch hierbei hatte es verzweifelten Widerstand und Verletzte gegeben.1 Über «Das Schick- sal der kriegsgeschädigten Russen in Deutschland» veröffentlichte der auch in Liechtenstein gelesene «Rheintaler Volksfreund» am 17. 9. 1945 einen Bericht: «Hunderttausende unglücklicher Menschen», die man ausgeliefert hatte, seien wieder gegen Westen zurückgeflüchtet und hätten übereinstimmende Angaben über die «Repatriierten» gemacht. Die meisten der ehemaligen Kriegsgefangenen und Verschleppten seien im besetzten .Deutschland in die dortigen Konzentrationslager ge- steckt worden. Ihnen sei bedeutet worden, dass sie sobald keine Aus- sicht hätten, ihre Heimat wiederzusehen. Verdächtige seien ausgeschie- den worden und «niemand sah sie wieder». Alle Soldaten der Wlassow- armee, alle Russen, die freiwillig aus Russland geflüchtet, und die irgendwie von Deutschen sich anstellen Messen, kamen in die «tiefe Etappe», d. h. in besonders strenge Konzentrationslager. Alle Wlassow- offiziere seien «ohne weiteres hingerichtet» worden. In Anbetracht solcher Nachrichten wundert es einen nicht, wenn es in einem Amtsvermerk der liechtensteinischen Regierung vom 6. 9. heisst: der Polizeichef habe bezüglich der Internierten gemeldet, «von einer freiwilligen Rückkehr sei keine Spur vorhanden, die Leute wei- gerten sich, zurückzukehren, und sie seien in einen Hungerstreik getre- ten, aus Protest gegen die zwangsweise Überstellung.»2 Die erschütternden Gerüchte und die dauernde Ungewissheit über die Zukunft scheinen einen Teil der Internierten in Panikstimmung versetzt zu haben. Auch dieses schildert Polizeichef Brunhart. Eine 1 Steenberg, S. 220 - 239. 2 LRA, Nr. 230/43, «Russ. Internierte», Amtsvermerk v. 6. 9. 1945. 83
        

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