Von den Offizieren sprach ein grosser Teil französisch und deutsch, dagegen gab es unter den Mannschaften kaum Leute, die eine fremde Sprache verstanden. Nur einige unter ihnen waren Analphabeten. Ein Teil der Offiziere und Mannschaften hatte sich aus den Kriegsgefange- nenlagern zur Truppe gemeldet. Der übrige Teil der Mannschaften setzte sich zusammen aus Flüchtlingen und Ostarbeitern. Unter den letzteren überwogen die Ukrainer, von denen viele vorher nicht beim Militär gewesen waren. Dann folgten die Emigranten, die die massge- benden Stellen im Offizierskorps innehatten, da sie dem alten russi- schen Offizierkorps entstammten. Bald nach dem Grenzübertritt, nach- dem die militärische Kommandogewalt aufhörte, machten sich gele- gentlich Spannungen persönlicher Art zwischen den alten russischen Offizieren und den Offizieren aus der Sowjetarmee sowie einem Teil der Mannschaften bemerkbar.1 Am 10. Mai 1945 richtete Generalmajor Holmston als Befehlshaber der «Ersten-Russischen National-Armee» ein Schreiben an Fürst Franz- Josef IL von Liechtenstein. In diesem machte er nähere Angaben über seine Person und die von ihm befehligte Truppe. Das Schreiben schloss: «Vertrauensvoll stelle ich Ihnen, Eure Hoheit, den Bericht zur gehei- men Durchsicht zu und appelliere an Ihre traditionelle humanistische Gastfreundlichkeit. Ich bitte Sie, Eure Hoheit, wie bis jetzt uns Ihre Gastfreundlichkeit weiterhin zu erweisen.»2 DIE ORGANISATION DER INTERNIERUNG Die Unterbringung der Internierten war zunächst provisorischer Natur, denn man war der Auffassung gewesen, — sie entsprach auch den internationalen Konventionen bisheriger Kriege, — dass die inter- nierten Soldaten in kürzester Frist nach Beendigung der Kampfhand- lungen heimgeschickt werden konnten. Als das nicht möglich war und mit einem längeren Verweilen der russischen Truppe gerechnet werden 1 LRA, Nr. 230/43, «Russ. Internierte», Aussage von Oblt. Rogatschewski v. 27. 6. 1946. 2 LRA, Nr. 230/43, «Russ. Internierte», Schreiben General Holmstons an den Fürsten von Liechtenstein v. 10. 5. 1945. 74
        

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