die Franzosen, die Angelsachsen, gegen die Polen oder Juden. Und im Augenblick des Zusammenbruches haben wir uns nicht mit einer Schiesserei auf den deutschen Bundesgenossen befleckt.»1 Unwillkürlich erhebt sich die Frage, wie es bei den strengen Grenz- bestimmungen der russischen Truppe möglich war, die Grenze nach Liechtenstein zu überschreiten, ohne anschliessend zurückgewiesen zu werden. General Holmston schildert die Überschreitung der Grenze wie folgt: es hätten keine vorhergehenden Verhandlungen mit liechten- steinischen und schweizerischen Stellen stattgefunden. Wohl aber hätte er zur Verschleierung seines Vorhabens am 2. 5. in Feldkirch das Ge- rücht verbreiten lassen, dass die russische Truppe einen Übertritt nach Liechtenstein erst nach zwei oder drei Tagen plane, in der Hoffnung, dass diese Nachricht jenseits der Grenze bekannt würde. Die damals noch deutsche Grenzwache habe ihn wegen eines günstigen Übergangs- punktes beraten und dann in der Nacht des 2. Mai auf der Vorarlberger Seite bei Fresch die Sperre geöffnet. Bei heftigem Schneetreiben sei dann die Kolonne die steile und schmale Bergstrasse hinaufmarschiert. An der Spitze ein bemannter schwerer Lastwagen, hinter ihm der Wa- gen mit dem Befehlshaber und dann die übrigen Fahrzeuge. Links und rechts von ihnen marschierten in langer Reihe die Kader der beiden Regimenter. Nach dem Passieren der schmalen neutralen Zone beseitig- ten die Soldaten das Drahthindernis an der liechtensteinischen Grenze und die Kolonne setzte ihren Marsch fort. Plötzlich fielen mehrere Schüsse. Daraufhin sei der Adjutant aus dem Wagen gestiegen und habe einem Schweizer Offizier, der sich bei der Grenze befand, das Ansuchen des Generals mitgeteilt.' Dieser benachrichtigte sofort den Chef der eidgenössischen Grenzwache, Obstlt. Dr. Wyss, der alsbald erschienen sei und sich bereit erklärt habe, die Truppe zu internieren. Die dann eingetroffenen Vertreter der liechtensteinischen Regierung hätten die- sen Standpunkt gebilligt und sich zueigen' gemacht. Der Gruppe ziviler Personen, die sich angeschlossen hatten, sei dagegen kein Asyl gewährt worden. Sie mussten, wie bereits geschildert, wieder über die Grenze zurückgehen. Der damalige Chef des liechtensteinischen Sicherheitskorps, Wacht- meister Brunhart, äussert sich zum Grenzübertritt wie folgt: «Ich möchte 1 Kaschirin im Vorwort von Holmston, S. 13. 66
        

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