sich den aus Rüssland zurückziehenden deutschen Truppen angeschlos- sen hatten.1 Eine wesentliche Rolle hatten bei der Organisation, des russischen Kampfes gegen den Bolschewismus die alten Emigranten gespielt, die nach dem Bürgerkrieg 1918 —1920 Russland verlassen hatten. Werfen wir einen kurzen Blick auf die jüngste russische Geschichte. Die Sowjetbürger hatten die Kollektivierung, die 10 Millionen Men- schen2 das Leben gekostet hatte, und die «Säuberungen» der Jahre 1936—1938, durch die jährlich 8 —10 Millionen in die Konzentrations- lager kamen, miterleben müssen. «Nur so ist es zu verstehen», schreibt Steenberg in seiner Biographie Wlassows, «dass Millionen von Bürgern der Sowjetunion, die gewiss nicht weniger national dachten und emp- fanden als die Bürger anderer Staaten, bereit waren, mit dem Angreifer gegen das eigene Regime zu paktieren.» Mit einer Sympathie für Deutschland oder gar für den Nationalsozialismus hatte das nichts zu tun. So standen bereits im Herbst 1942 800000 bis 900000 Sowjetbürger, aufgeteilt in viele kleine Einheiten, auf deutscher Seite unter den Waffen. Ihrer Entstehung nach können wir diese russischen Streitkräfte in zwei ursprüngliche Bewegungen teilen. Als erste hatten sich die russi- schen Emigranten gleich nach dem Ausbruch des Krieges 1941 zum bewaffneten Kampf gegen das Sowjetsystem zusammengefunden. Sie kamen meist aus dem ROWS (Russischer Allgemeiner Militärverein). Die zweite russische nationale Bewegung bildete sich während der Kriegsjahre aus russischen Kriegsgefangenen und Überläufern. Aus ihr entstanden die bewaffneten Abteilungen der ROA (Russische Befreiungs- armee). Sie wurde geführt von Generalleutnant Wlassow. Ihr kam so- wohl durch die propagandistische Bedeutung als auch durch die An- zahl ihrer Freiwilligen die grösste Bedeutung zu. «Wlassow war ein Held der Sowjetunion», — schrieb 1949 General Holmston. «Er er- schien als Fortsetzer der 'weissen Idee' im Kampfe für ein nationales Russland. Das war eine schreckliche Erscheinung für den Bolschewis- mus, und in ihr lag eine tödliche Gefahr. Bei anderen politischen Um- ständen, und wenn die Deutschen Wlassow verstanden hätten, wäre 1 Ebd. S. 240, vgl. auch «Rheintaler Volksfreund», 17. 9. 1945. 2 Steenberg, S. 36 Anm.: eine Zahl, die Stalin Churchill genannt hat. 55
        

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