Schützen- und Artilleriestellungen ausgehoben wurden. Unwillkürlich erhob sich die Frage, ob die Kriegsfurie an der Grenze Liechtensteins Halt machen würde. Den Höhepunkt dieser kritischen Tage bildete der 2. und 3. Mai. Unkontrollierbare Gerüchte über die Kriegslage kamen in Umlauf. Ja, «man musste damit rechnen», wie das Liechtensteiner Volksblatt am 5. Mai schrieb, «dass schlimmstenfalls die Kampfhand- lungen auch auf liechtensteinisches Gebiet übergreifen könnten.» Da die Grenze des Fürstentums über keinen militärischen Schutz verfügte, hatte die Landesregierung in Verbindung mit der eidgenössi- schen Oberzolldirektion eine Reihe vorsorgender Massnahmen getroffen. Zunächst hatte man gegen Fehlbombardierungen entlang der Grenze Markierungen in den Landesfarben aufgestellt. Zur weiteren Sicherung wurde entlang der liechtensteinisch-vorarlbergischen Grenze ein 5 m breites Stacheldrahthindernis errichtet und die Grenze dann am 22. April um 22 Uhr gänzlich gesperrt. Als einzigen Übergang Hess man die Zollstation in Schaanwald bestehen. Auch die Grenze gegenüber der Schweiz von Luziensteig bis Altenrhein war auf Anordnung des Schwei- zer Bundesrates geschlossen worden. Nur die Rheinbrücken Balzers- Trübbach und Schaan-Buchs blieben für den Verkehr geöffnet. Die liechtensteinische Hilfspolizei (Hipo) war für die Grenzüber- wachung mobilisiert und auf 52 Mann1 vermehrt worden. Die reguläre Polizei betrug damals etwa 11 Mann.2 Chef der gesamten Polizei war Wachtmeister Josef Brunhart. Die Schweizer Grenzwache war auf An- suchen der liechtensteinischen Regierung am 23. April durch die Ver- legung ihrer Rekrutenschule Liestal nach Liechtenstein gleichfalls um etwa hundert Mann verstärkt worden.3 Die eidgenössiche Grenzwache in Liechtenstein unterstand Obstlt. Dr. Wyss. Sowohl die Grenzwächter als auch die liechtensteinische Polizei waren mit Pistolen und Kara- binern bewaffnet. Die Polizei verfügte ausserdem über Maschinen- pistolen und Tränengas. In der zweiten Hälfte des April hatte sich täglich die Zahl der Flüchtlinge an der Grenze erhöht. Viele der Einlassbegehrenden mach- 1 LRA, Nr. 230/43, Rechenschaftsbericht der fürstlichen Regierung für 1945. 2 Laut mündlicher Angabe von Herrn Brunhart am 8. 12. 1970. 3 LRA, Nr. 230/43, laut Aktenvermerk vom Mai 1945 ist die Zahl der Grenz- wächter mit 65 angegeben. Laut dem Liechtensteiner Volksblatt vom 9. 5. 45 betrug die Verstärkung aus Liestal 100 Mann. 49
        

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