Ein weiteres Fenster muss in der Nordwand bestanden haben, die dem Altar gegenüberliegt, vielleicht ein «Andachtsfenster», das den Blick auf den Altar freigab, auch wenn die Kapelle verschlossen war. Wir konnten feststellen, dass das innere Gewände der 1873 eingesetzten Türe mit einer ursprünglichen, stichbogenüberwölbten Öffnung rech- net, deren Gewände aber nicht bis auf den Boden reichten. Die seitli- chen Gewändesteine und der flache Stichbogen des Scheitels sind im Mauerverband mit der ursprünglichen Wand und mit dem ursprüng- lichen Mörtel12 aufgeführt worden. Die breite Öffnung (rekonstruiert: ca. 0.90x1.10 m) muss sich von derjenigen des schmalen Fensters in der Westwand unterschieden haben. Das Fenster scheint durch ein Schleppdach geschützt gewesen zu sein worauf zwei durchgehende Löcher im Nordgiebel oberhalb der Deckenhöhe hinweisen, die wohl von Konsolhölzern herrühren. Solche Schleppdächer sind über Ein- gangstüren, aber auch über Andachtsfenstern zu finden. Nicht feststell- bar war, aus welcher Zeit der Vorraum stammte, dessen gemauertes Fundament vor der Kapellen-Nordwand aufgedeckt wurde. Wahr- scheinlich handelt es sich um einen nachträglichen Anbau, denn an den Kapellenecken waren keine Spuren eines unterbrochenen ursprüng- lichen Mauerverbandes zu erkennen. Die Türe in der Westwand trat vor der Restaurierung von aussen und innen als Nische in Erscheinung. Ihr Putzgewände ist nicht ge- schrägt, biegt sich zu einem Spitzbogen zusammen und steht auf einer abgetretenen Schwelle. Der Türanschlag befand sich auf der Innenseite. Jede Längswand des Kapellenschiffes weist im südlichen (ehemali- gen) Chor-Teil eine zum ursprünglichen Bestand gehörige Kredenz- nische auf. Deckplatte und Gewändestein der im Schnitt rechteckigen Nischen sind im Verband mit dem Kapellen-Mauerwerk. Beide Nischen waren anfänglich mit Brettern ausgekleidet, wie sich an den Abdrücken im Mörtel feststellen liess. Eine oben halbrund geschlossene weitere Nische in der Ostwand des Schiffes ist hingegen erst nachträglich aus dem Mauerwerk herausgearbeitet worden. Sie wurde während der Restaurierung in den dreissiger Jahren vermauert13. 12 Grau, mit Einschlüssen von schwarzen Kieseln und weissen Kalkbröcklein. 13 Maurer hatten sich hier vor der Zumauerung inschriftlich verewigt. 18
        

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