A. Die Begegnung mit dem Rhein Wie der Rhein in seiner geschwellten Kraft, in «seinem Element». Furcht und Schrecken auslöst und zuweilen nebenbei unabsehbare Schäden verursacht, nimmt er sich in der gezähmten Gestalt recht friedlich und schön aus, jedenfalls möchten ihn die Herausgeber von Fremdenverkehrsprospekten kaum missen. Er besitzt tatsächlich auch seine «guten Seiten». Seine Schubkraft rollt die anfallenden Steine tal- wärts, derweil sie ihre Kanten zu Schotter abschleifen. In dieser Eigen- schaft erspart er unserer Bauwirtschaft die maschinelle Verarbeitung des Gesteins zu Kies und Sand. Auch als Transportweg leistete er un- seren Vorfahren gute Dienste, wenn die Bündner ihre Produkte an den Mann bringen wollten. Allerdings lauerten den Transportunternehmern auf dem Wege zum Ziel allerlei Gefahren. So will es eine Chronik wahr haben, dass zwei Flösse, «so nach Fälkirch auf S. Johanner märet welen», untergegangen seien. Einen ähnlichen Tribut forderte dieser Strom für seine Dienstleistungen als Kraftvermittler. Anlässlich der Wassergrösse 1787 löste sich die Benderer Schiffsmühle aus ihren Ver- ankerungen, so dass diese auf den Fluten stromabwärts trieb und schliesslich weit unten, in Oberriet, landete. In trockenen Gegenden werden die Flüsse auch für die Bewässerung des Hinterlandes angezapft. Dafür bestand jedoch bei uns eh und je keinerlei Bedürfnis, so dass man auf den Rhein als Wasserreserve gerne verzichtet. Zumeist überschwemmte er das Ried mit seinen schmutzigen Fluten gerade dann, wenn dessen Boden ohnehin schon wassergesättigt war. Läuteten die Sturmglocken, dann sah es draussen am Rhein be- reits bedenklich aus, dann war Not am Damm. Nicht umsonst zählte man diesen Strom — neben Rüfe und Föhn — zu den Landesnöten. Unsere Annalen verzeichnen eine Anzahl von Überschwemmungen und Dammbrüchen, so im 18. Jahrhundert: von 1775, 1787 und 1789 und im 19. Jahrhundert: von 1817, 1839 (oberhalb Gamprin), 1846 (bei Va- duz und unterhalb Ruggell), 1853 (Triesen und Schaan), 1855 (bei Va- duz und Ruggell), 1868 (Balzers), 1872 (Gamprin) und 1888 (Vaduz). Wahrlich eine betrübliche Bilanz! Je höher man Dämme aufschüttete, umso folgenschwerer wurden jeweils die Katastrophen und umso zeit- raubender die Mühen, den Strom wieder in sein altes Bett zurückzu- weisen. Schon beim Einbruch von 1846 drängten die Wasser bis hinein 115
        

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