als ein Argument dafür zu verwerten, dass der Vater noch lebte. Weiter könnte für Werner Kindle als Vater sprechen, dass dieser in Basel stu- diert hatte, wohin sich Pedioneus gleichfalls 1541 zum Studium begab. Für beide Thesen gibt es also Argumente. Im ersten Fall wäre Trie- sen der Geburtsort des Pedioneus, im zweiten Fall Schaan oder Vaduz. Alle drei Möglichkeiten sind offen. Bevor neue Quellen aufgefunden sind, wird man diese offene Frage einstweilen nicht entscheiden kön- nen. Dennoch: einen Vorrang wird man Triesen geben können, und zwar aus dem Grunde, dass sowohl Johannes Kindle als auch Werner Kindle aus Triesen stammen. In Triesen wird also in jedem Falle die Heimat der Väter des Pedioneus zu suchen sein, mag er auch zufällig in Schaan oder in Vaduz oder sonstwo geboren sein.Bis zur Auffindung weiterer Quellen besteht also ein hohes .Mass an Berechtigung, dass wir in jenem rätselhaften Johannes Pedioneus Rhetus einen Johannes Kindle aus Triesen sehen. Es war unsere Aufgabe, an dieser Stelle das Rätsel der Herkunft des Johannes Pedioneus zu lösen, um damit einen wichtigen Baustein für eine umfassendere Darstellung vom Leben und Werk des Pedioneus bereitzustellen. Dennoch erscheint es auch an dieser Stelle angezeigt, wenigstens noch einige Hinweise zum Lebenslauf des Pedioneus zu geben, um das Bild dieses Humanisten etwas abzurunden. Johannes Kindle, genannt Pedioneus, wurde um 1520 in Triesen als Sohn eines Geistlichen geboren. 1541 bezog er die Universität Basel; wo er Schüler des bedeutenden Gräzisten Simon Grynaeus war; als dieser noch im selben Jahr starb, widmete Pedioneus seinem Andenken eine kleine Schrift mit Trauergedichten, die 1541 in Basel gedruckt wurde. Im Januar 1542 begab sich Pedioneus wieder in seine Heimat zurück, wo er für die «Rudimenta Musica» des Feldkircher Schulmei- sters Johannes Vogelsang ein Widmungsgedicht schrieb. Anschliessend scheint er .für einige Zeit nach Italien gegangen zu sein. Auf der Rückkehr über den Arlberg erlitt Pedioneus Erfrierungen an den Füssen, die ihm noch lange zu schaffen machten. Er entschloss sich dann, sein Studium in Löwen fortzusetzen. Über Speyer und Worms gelangte er nach Mainz und scheint sich dann nach Mittel- deutschland begeben zu haben, nachdem er noch 1542 zum Poeta lau- reatus gekrönt worden war. In der Folge treffen wir ihn als Lehrer an der berühmten Klosterschule in Schlüchtern, 1544 in Erfurt und noch 111
        

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