erwähnte Freund des Pedioneus Kaspar Brusch überliefert hat, dass Pedioneus ein Sohn eines Priesters ist.19 Brusch nennt nämlich in seinem Gedicht auf Feldkirch Pedioneus «sacrifico de genitore satus». Zur Sache sei bemerkt, dass der sittliche Stand des Klerus vor der Refor- mation nicht besonders hoch gewesen ist. Von den Geistlichen aus dem drusianischen Kapitel, die seit 1500 bis 1524 (in dieser Zeit wurde Pe- dioneus geboren) im Straf- und Dispensbuch des Churer Fiskals ge- nannt sind, stehen dort 31 verzeichnet als straffällig super procreatione prolis.20 Als Priesterkind bekannt ist auch Erasmus von Rotterdam, der König der Humanisten. Nach diesen anfänglichen Schwierigkeiten, Pedioneus näher zu identifizieren, die eher durch einen Mangel an Quellen bedingt waren, kommen wir nunmehr in eine Schwierigkeit anderer Art: es sind zwei Väter des Pedioneus greifbar und die ausschliessliche Zuordnung zu einem von diesen beiden ist nicht ohne die Auffindung weiteren Mate- rials möglich. Als Vater kommt erstens in Betracht ein Johannes Kindle.21 Er ist 1501 als Johannes Kyndeleyn de Feltkirchen in die Leipziger Matrikel eingetragen, wo er 1503 Baccalaureus artium wurde. Seit 1505 wirkte er als Kaplan in Triesen. 1521 ist er als Frühmesser in Triesen und 1522 in Balzers nachweisbar. Da Pedioneus um 1520 geboren ist, zum andern auch die Beschrei- bung seiner Heimat auf Triesen passt, könnte dieser Johannes Kindle sehr gut als Vater des Pedioneus in Frage kommen. Zwei weitere Argu- mente sprechen dafür: es war vielfach üblich, dass die Väter ihren Söhnen bevorzugt den eigenen Vornamen gaben. Auf die Existenz einer solchen Praxis in der Namensgebung könnte auch der 1460 in Triesen nachweisbare Hans Kindle deuten. Dieser Hans Kindle ist aber noch in einer anderen Beziehung ein Argument für unsere These: Hans Kindle wird 1460 in einem Streit unter den Geschworenen erwähnt. Generationsmässig könnte er der 19 Horawitz, a. a. O., S. 260. 20 Ebenda, S. 89. 21 Vasella, a. a. O., S. 174 f., Nr. 47. Zu der Familie Kindle vgl. insbesondere Fridolin Tschugmell, Trisner-Ge- schlechter 1237 — 1958, Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürsten- tum Liechtenstein 58, 1958, S. 158 ff. 109
        

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