Einer Schwierigkeit, der wir dabei zunächst begegnen, ist die, dass der Name Pedioneus eine gräzisierte Form eines deutschen Namens ist, der nicht ohne weiteres erkennbar ist. Der Versuch von Ludwig Welti,17 Pedioneus mit dem griechischen Wort «pedion», d. h. Feld, in Verbin- dung zu bringen, um damit zugleich ein weiteres Argument für die Herkunft aus Feldkirch zu erbringen, musste scheitern, weil damit nur eine Erklärung für den ersten Wortteil gefunden wurde. Die Grabschrift des Pedioneus in Ingolstadt zeigt nun die richtigere Form «Paedioneus», die mit «pedion» nicht in Verbindung zu bringen ist, wohl aber mit «pais» (Kind) oder der Verkleinerungsform «paidion» (Kindlein). In der Tat Hess sich für diese Form aus der Praxis humani- stischer Namengebung ein konkreter Fall ermitteln. Nach einer Eintra- gung in der Matrikel der Universität Basel schrieb sich 1547 in Basel ein Johannes Henricus Kneblin aus Riehen ein, für den ausdrücklich auch der Beiname Paedioneus (oder Pedioneus) überliefert ist.18 Mit unserem Pedioneus hat dieser Student nichts zu tun. Aber wir wissen nunmehr, dass Pedioneus eine humanistische Namensform für den deutschen Namen Knäblein ist. Dieser Name kommt nun allerdings in dem Gebiet nicht vor, wo wir Pedioneus suchen. Wenn aber nun ein «Knäblein» sich Pedioneus nennen kann, so steht nichts entgegen, dass sich ein Träger des Namens «Kindlein» Pedioneus benennen kann. Die weitere Frage, ob der Name Kindlein in dem umrissenen Ge- biet heimisch ist, ist ebenfalls positiv zu beantworten. Aber hier ergibt sich nun die grosse Wahrscheinlichkeit, dass der Ursprung des Pedio- neus nicht in Maienfeld oder in Feldkirch, sondern im heutigen Fürsten- tum Liechtenstein zu suchen ist, insbesondere in Triesen, wo der Name Kindle heute noch vorkommt. ' 4. Der Vater des Pedioneus Es erhebt sich weiters die Frage, ob wir mit der nun gewonnenen Arbeitshypothese den Vater des Pedioneus ausfindig machen können. Wir sind dabei in der glücklichen Lage, dass uns der schon mehrfach 17 Welti, a. a. O. 18 Die Matrikel der Universität Basel, 2. Bd., hg. v. Hans Georg Wackernagel, Basel 1956, S. 50. 108
        

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