schwarz-rot-goldene Fahne auf dem alten Schloss aufzuziehen.161 Das Reichsministerium des Krieges in Frankfurt drückte sein Befremden darüber aus und forderte die fürstliche Regierung zur unverweilten Reorganisation auf.102 Eine solche wurde aber ohnehin erforderlich, da die Nationalversammlung beschlossen' hatte, die Kontingente auf 2 % der Bevölkerung zu erhöhen, was für Liechtenstein, für welches man nun 7000 Seelen annahm, eine Erhöhung auf 140 Mann, also auf an- nähernd das Doppelte des bisherigen Standes bedeutete.163 So kam es denn dahin, dass am 23. Dezember 1848 eine Deputation der Gemein- den beim Regierungsamte mit der Bitte erschien, das Kontingent in sei- nem früheren Bestand zu belassen.164 Das Paradoxe daran war, dass man nun angesichts erhöhter Anforderungen um die Erhaltung dessen bat, was man noch vor einem halben Jahr zerschlagen wissen wollte. Das Kontingent blieb während des ganzen Jahres 1848 beurlaubt, was wenigstens der leeren Landeskasse zugute kam. Auch die jährli- chen Truppenübungen unterblieben. Als Menzinger die Mannschaft erstmals wieder im Februar des folgenden Jahres zu einer Überschau aufbot, rückte sie in einem «fast verwilderten Zustande» ein165 und zeichnete sich vorzüglich durch Ungezogenheiten und durch die For- derung von Teuerungszulagen aus166 — im deutlichen Zeichen von Freiheit und Selbstbestimmung. Der Umstand, dass dem Fürsten und seiner Regierung während der Revolution das militärische Machtmittel, das in grösseren Staaten zur Verfügung stand und auch eingesetzt wurde, völlig entzogen blieb, wirkte sich im ganzen gesehen wohl doch günstig aus, indem ein Kon- 161 Hofkanzlei an Reichsministerium und an Landesverweser, 29. Juli 1848, ebda., Nr. 445 u. ad 445. 162 Reichsministerium an die liechtensteinische Regierung in Wien (!), 18. Aug. 1848, ebda., ad 500. 163 Ein Württemberg. General, Oberst Heym, besuchte im Auftrag des Reichs- ministeriums das Fürstentum im Dez. 1848 zum Zweck der Kontingents- reorganisätion; Korrespondenz vom 17. Okt. bis 23. Dez. 1848, LRA XXVII/Fi. 164 Menzinger an Oberst Heym, 23. Dez. 1848, ebda., ad 683. 165 Niedermayr an Fürst (gestützt auf einen Bericht Menzingers), 4. Apr. 1849, HK S 360, ad 4351. 166 Menzinger an Karl Schädler, 28. Febr. 1849, LRA Schädler Akten 314. 92
        

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