Alle Begehren und Wünsche, die im fürstlichen Erlass vom 7. April übergangen worden waren, wurden nochmals genauestens aufgeführt. An erster Stelle, wurde die Aufhebung der Feudallasten eindringlich gefordert, da sie nur Pflichten ohne Gegenrechte begründeten und den politischen und bürgerlichen Grundsätzen der neuen Zeit längst nicht mehr entsprächen. Erneut wurden freie Jagd und Fischerei, Überlassung des Ohmgeldes, Aufhebung der Sportein und Verminderung der Taxen, Besoldung des Bundesgesandten durch den Fürsten, inländische oder aus freieren Bundesgebieten stammende Beamte und Vereinfachung der Landesverwaltung, nämlich die Beschränkung der Regierung auf drei Beamte.^verlangt. Gegen ein Steuerkataster aber äusserte man be- zeichnenderweise wegen der Kosten Vorbehalte. Es wurden aber auch wesentliche neue Wünsche angemeldet, wenn man die gänzliche Tren- nung der fürstlichen Privatverwaltung — der Renten — von der Landes- verwaltung, den direkten Verkehr der Landesregierung mit dem Fürsten ohne Zwischenbehörde, das heisst ohne Hofkanzlei, und schliesslich sogar die Verantwortlichkeit der Regierung gegenüber der Volksver- tretung dringend forderte. Betont wurde auch, dass man den freien Handelsverkehr nicht mit Österreich allein, sondern mit allen deutschen Staaten wünschte. Mit Nachdruck pochten die Liechtensteiner auf den Charakter des Landes als deutsches Bundesgebiet, aus dem ihnen Ansprüche auf eine entsprechende politische und rechtliche Gestaltung zustehe, und mit aller Schärfe wandten sie sich gegen das Nachäffen des österreichischen Vorbildes: «Durchlauchtigster Fürst! Die Bemerkung dürfen wir nicht länger zurückhalten, dass, da unser Land ein selbständiges Bundesge- biet ist, wir berechtigt zu sein glauben, auch eigene, den Verhältnissen- und Bedürfnissen des Volkes angemessene Gesetze und Ordnungen zu haben . . . , dass wir folglich nicht wieder auf die Muster eines mächti- gen Nachbarstaates angewiesen werden; wir wollen eigene, oder allge- meine deutsche, nicht österreichische Gesetze in allen Beziehungen des öffentlichen Lebens».102. Dies ist unverkennbar Peter Kaiser, auf den auch der antiösterreichische Zug in den übrigen Erklärungen der Liech- tensteiner vornehmlich zurückgeht. 102 Adresse an den Fürsten vom 21. Apr. 1848, siehe oben Anm. 101. 80
        

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