So grosszügig und entgegenkommend die Konzessionen des Fürsten vom 7. April auch erscheinen, so entsprachen sie doch den gestellten Forderungen der Ausschüsse in vielem noch nicht: Anstelle des Zu- stimmungsrechts der Volksvertretung zu allen Gesetzen sagte der Fürst nur deren Beratung zu. Eine ganze Reihe von Begehren überging er einfach mit Schweigen, so das Verlangen nach öffentlichem und münd- lichem Gerichtsverfahren, nach Öffentlichkeit der Landtagsverhand- lungen, freiem Versammlungs- und Vereinsrecht, Besetzung der Beam- tenstellen durch Inländer oder freiheitlicher gesinnte Männer, nach Volksbewaffnung, freier Jagd und Fischerei, Überlassung.des Ohmgel- des als Landesregal,' Herabsetzung der Taxen und Aufhebung der Spor- tein und nach Besoldung des Bundesgesandten durch den Fürsten allein. Insbesondere erwähnte der Fürst ausser den Fronen und der Mühl- zwangablösung die Feudallasten, die man unentgeltlich aufgehoben sehen wollte, mit keinem Wort. Mit seinen Zusagen waren daher die Erwartungen des Volkes nicht ganz erfüllt und der einmal • geweckte Geist der Auflehnung nicht gebannt. 4. Ausschreitungen und Sicherheitsausschüsse Seit dem Beginn der Unruhen äusserte sich der Unwille der Bevöl- kerung vorzüglich in Drohungen gegen die ausländischen fürstlichen Beamten und gegen die fremde Führung des Kontingents. Oberleutnant Blaudek, der das Kontingent seit 1840 kommandierte73 und wegen sei- ner luxuriösen Lebensführung und wegen Ehrensachen stark angefein- det war,74 war schon am 14. März durch den zweiten Offizier, Baron von Falkenhausen aus Bayern,75 ersetzt worden. Blaudek hatte das Land 73 Ernennungsurkunde, 1. Juli 1840, HK S 360. 74 Blaudek klagte über «brutale Insulte» von Seiten des Volkes; man warf ihm vor, seinen Luxus aus unerlaubten Quellen bestritten zu haben; Blau- dek an Menzinger, 28. Mai 1848, LRA C. Siehe auch LRA XXVII/Ds, Fasz. Blaudek. 75 Oberamt an Hofkanzlei, 30. März 1848, HK 1848/6470. Falkenhausen stand seit 1846 im liechtensteinischen Dienst; vgl. die Konduitliste der Offiziere für das Jahr 1850, 25. Febr. 1851, HK 1851/2857; ebenso für 1856, 31. Dez. 1856, HK S 360. Ende 1848 zum Oberleutnant befördert, wurde Falken- hausen am 1. Sept. 1858 wegen unehrenhaften Schuldenmachens pensio- niert; fürstl. Handbillett, 17. Aug. 1858, HK PExh. 1858/7356. 74
        

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