Indem sich Peter Kaiser an die Spitze der Revolutionsbewegung in Liechtenstein stellte, war deren ruhiger Gang, aber auch ihre Zielstre- bigkeit gesichert. Kaisers Taktik entsprach jener der übrigen Liberalen in Deutschland, welche mässigend auf das erregte Volk einwirkten und zugleich mit dem Druck der Strasse ihre politischen Programme durchzusetzen suchten. Er erkannte die Chance, welche die veränderte Situation in den deutschen Staaten und in Österreich für eine politische Neuordnung Liechtensteins bot. Nicht alle mochten das gleiche von seiner Leitung erhoffen. Einzelne glaubten wohl, sich unter ihm vom Fürstenhaus zu lösen und selbständig oder eidgenössisch zu werden. Die Programme, die Kaiser in den Versammlungen aufstellte, Hessen aber seine Ziele bald klar hervortreten. 2. Die Forderungen der Märzausschüsse Die Gemeinden wählten nun ihre Ausschüsse, die am 22. März in Schaan gesamthaft zusammentraten. Die Versammlung bestellte einen engeren, dreiköpfigen Landesausschuss, dem Peter Kaiser als Präsident und die Ärzte Dr. Karl Schädler28 und Dr. Ludwig Grass27 angehörten. Die 112 Männer, die sich hier zur Beratung der öffentlichen Angelegen- heiten und zur Ausarbeitung von Wünschen und Beschwerden an den Fürsten zusammenfanden, bildeten eine ansehnliche Volksvertretung.28 26 Karl Schädler (1804-1873), Gymnasium in Feldkirch, Studium der Philo- sophie und der Medizin in Wien, 1830 Promotion zum Dr. med. in Erlan- gen, bis 1839 Arzt in Ems/Graub., zugleich eidgenöss. Militärarzt, seit 1839 Arzt in Vaduz, 1844 auch Landesphysikus wie sein Vater; LBV Familien- chronik Schaedler. Schädler war 11 Jahre jünger als Kaiser. 27 Jos. Joh. Ludwig Grass (1789 — 1860), Arzt in Vaduz; zur Biographie siehe '100 Jahre Realschule', S. 5 ff. 28 Anzahl und Herkunft der Ausschüsse werden aus den an den Fürsten ge- richteten Adressen der Vollversammlung' ersichtlich. Die Adresse.vom 22. März 1848 trägt 112 nach Gemeinden geordnete Unterschriften, HK 1863/10370 (Beilage 2/2 zum Vortrag 1848/6357). Die Adresse vom 24. März 1848 weist 113 Unterschriften auf, HK 1863/10370 (ad 1848/4166). Über die Wahlen der Ausschüsse in den einzelnen Gemeinden geben die Quel- len keinen Aufschluss. Sie müssen aber auf Grund des oberamtlichen Rundschreibens vom 20. März 1848, LRA C, durch die Gemeindeversamm- lungen geschehen sein, zweifellos unter Ausschluss der Hintersassen. Men- zinger spricht im Bericht vom 26. März an den Fürsten von «gewählten Ausschüssen», HK 1863/10370 (1848/4166). 59
        

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