Pöbels das Banner führte», wie Menzinger an den Fürsten schrieb — und Mauren, dessen Bewohner «mit den Vorarlbergern fraternisirten»20 und auch unter sich in zwei Parteiungen zerstritten waren.21 Das Ober- amt steckte in einer heiklen Lage. Dem eigenen, beurlaubten Militär war nicht zu trauen. Von Feldkirch war nichts zu erwarten, da das dortige österreichische Militär gegen Auswüchse wie Fenstereinwerfen nur Zuschauer blieb, um die Menge nicht zu reizen.22 Das Oberamt war von jeder Macht entblösst. Es blieb nichts anderes, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Mehrere Gemeinden waren gleich nach dem Beginn der Unruhe im Land übereingekommen, Ausschüsse zu wählen, um durch diese ihre Forderungen anzubringen. Hier nun hakte der Landvogt klug ein. Er liess die Ortsgerichte wissen, dass sie, falls die Gemeinden es wünsch- ten, sofort Gemeindeversammlungen einberufen, Ausschüsse wählen lassen und durch sie ihre Begehren in angemessener Ordnung dem Oberamt vorlegen könnten. Das Oberamt werde sie an den Fürsten weiterleiten, der in seiner bekannten Güte begründeten Beschwerden ohne Zweifel Abhilfe schaffen werde;23 Menzinger suchte die 'Revolu- tion von oben' an die Stelle jener des Volkes zu setzen. Von Balzers aus ersuchte man am 21. März Rektor Peter Kaiser in Chur um seine Mitwirkung. Er erschien denn auch sofort, stellte aber'die Bedingung, dass die Ordnung aufrechterhalten werde und jede Ausschreitung un- terbleibe.24 Für den Landvogt war Kaiser der eigentliche «Vorwisser und Urheber»; wenn er aber dem «Demagogen Kaiser», wie er ihn nannte, auch äusserst misstrauisch gegenüberstand, so musste er doch eingestehen, dass Kaisers Erscheinen Schlimmeres verhütete.23 20 Siehe oben Anm. 18. ' 21 In einem Bericht vom 21. Juni 1850 an die Hofkanzlei spricht Menzinger von einer konservativen und einer «Umsturzparthey» im Jahre 1848 in der Gemeinde Mauren; die umstürzlerisch gesinnte Partei sei grösser als die andere gewesen; HK 1850/6809. Vgl. auch J.B. Büchel, Mauren, JBL 1916, S. 31. 22 Siehe oben Anm. 18. 23 Oberamt an alle Ortsgerichte, 20. März 1848, LRA C. 24 Bericht Menzingers, siehe oben Anm. 18. 25 Gleicher Bericht Menzingers, 23. März 1848, mit dessen Bleistift-Rand- bemerkungen, LRA C/3. 58
        

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