zum Jahre 1911 angehören sollte. Während dieser Zeitspanne von über dreissig Jahren hat er sich mit den vielfältigen Fragen der Innenpolitik im Habsburgerreich auseinandergesetzt: Die Sprachengesetzgebung, der Kulturkampf der Liberalen Partei, die Schulgesetze, das allgemeine Wahlrecht, das Genossenschaftswesen, die Altersversorgung, das Erb- teilungsrecht für den Bauernstand, schliesslich die Gleichberechtigung der Völker in der Monarchie und die Versöhnung mit den Slaven, dies alles waren seine besonderen Anliegen. . Prinz Liechtenstein war ein temperamentvoller und brillanter Red- ner und im Parlament ein gefürchteter Debatter. Auch bei seinen Wahl- versammlungen ging es, wie damals üblich, oft sehr lebendig zu, wobei sich Prinz Aloys wenn nötig durchaus mit seinem Spazier-Stock seiner Haut erwehren konnte. Auch seine publizistische Tätigkeit, der er vor allem nach seinem Ausscheiden aus dem Parlament sein Hauptaugen- merk widmete, zeichnete sich meist nicht durch besondere Sanftmut aus. Seine Kritik war jedoch, wenn auch temperamentvoll vorgetragen, stets auch auf Sachkenntnis basiert. Wenn er auch nicht immer zu überzeugen vermochte, so mussten selbst seine Gegner die unerschrok- kene Haltung bei der Vertretung der Ansichten sowie seine Selbstlosig1 keit und seinen Patriotismus anerkennen. Vor allem ist es immer wieder die Förderung des Kleingewerbes und der Arbeiterschaft, der seine Aufmerksamkeit gilt. Hier hat er Wege beschritten, die ihn zeitweise auch in Gegensatz zu vielen seiner Freunde brachten, die ihn als «roten Prinzen» und Freund des Sozialis- mus bezeichneten. «Seine Durchlaucht bemuttert die Herren Sozial- demokraten» war noch eine der mildesten Beschuldigungen von Seiten seiner politischen Gegner in der Liberalen Partei, als Liechtenstein in seiner bedeutenden Rede 1883 über die Gewerbenovelle feststellte, dass nicht nur für den Handwerker, sondern auch für die Arbeiter etwas getan werden müsse. «Beeilen wir uns, den Arbeitern gerecht zu wer- den, damit uns Konservativen nicht nachgesagt werde, wir kümmerten uns nur um solche Volksmassen, die das Wahlrecht besitzen. Erweisen wir uns ihnen nützlich, noch bevor wir sie an der Wahlurne brauchen». Prinz Aloys versuchte auch 1833 zusammen mit seinem Bruder Alfred, Vogelsang und anderen eine Brücke zu den sozialistischen Ar- beitervertretern zu schlagen und sie zur Mitarbeit an der sozialen Be- friedung der Monarchie aufzufordern. Dieser Versuch scheiterte am 519
        

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