Im Herbst 1873 trat Prinz Aloys aus dem österreichischen Staats- dienst aus, um sich ganz derlnnenpolitik zu widmen. Im selben Jahr begann der katholische Sozialreformer Karl Freiherr v. Vogelsang sein Programm zu entwickeln, das für die nächsten Jahre die politische Tä- tigkeit Prinz Aloys' stark beinflussen sollte. Dem Kampf gegen die kon- v 
fessionelle Gesetzgebung der damaligen Liberalen Regierung und ge- gen die Not der Arbeiterschaft und des Kleingewerbes waren seine ersten politischen Jahre gewidmet. Er prophezeite der Liberalen Partei, dass sie wegen des Verhaltens in dieser Frage von der Sozialdemokratie beerbt und verschlungen werden würde. Da die soziale Frage «diese un- geheilte Wunde am Leibe der Gesellschaft, die jedesmal im Augenblick des Kampfes und der Bewegung aufbricht,» nicht von den Liberalen gelöst werde, müsse «sie von uns, der katholischen Partei, in aller Herren Länder gelöst werden». Prinz Liechtenstein formulierte in vie- len Versammlungen und Reden ein Programm, welches die Wiederbe- lebung der christlichen Weltanschauung auf sozialem Gebiet forderte. Insbesondere verlangte er, was nun heute selbstverständlich ist: Die Errichtung eigener Kammern (Gewerkschaften) für die Klassen der Hilfsarbeiter, der Landarbeiter und des Kleingewerbes, die Beschrän- kung der Frauenarbeit, die Abschaffung der Kinderarbeit, sowie die Beschränkung der Arbeitszeit überhaupt, insbesondere an Sonntagen. Dieses Programm, das er später in einer eigenen Schrift veröffentlichte, erregte innerhalb und ausserhalb seiner Partei grosses Aufsehen. Die Erkenntnis, dass die soziale 
Frage das Problem unserer Zeit ist, "verschaffte seiner Auffassung bald bedeutendes Ansehen und bildete die Basis für seinen politischen Aufstieg. Am ersten Katholikentag in Wien 1877 verkündete Prinz Liechten- stein als Programmatiker der katholischen Volksbewegung seine For- derungen: Die gesetzliche Festlegung des Zinsmaximums, Erbschafts- gesetze für Haus und Hof, neue Gesinde-Ordnung und «Arbeiterkam- mern» nach dem Vorbild der englischen «Trade-Unions». Liechtensteins Ansehen auf diesem Gebiet war bereits damals so bedeutend, dass die Liberale «Grazer Tagespost» höhnisch das Gerücht lancierte, der näch- ste österreichische Katholikentag werde nicht mehr römisch-katholisch, sondern liechtensteinisch-katholisch sein. Im Jahre 1878 wird Prinz Aloys erstmals ins österreichische Ab- geordnetenhaus gewählt, dem er mit einer kurzen Unterbrechung bis 518
        

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