Offener drückte sich Pfr. Mehr aus Balzers aus: «Das Allmosen fiel nicht gar reichlich aus, wie es zu dieser im ganzen Jahre entblössten Zeit zu vermuthen war. Mich hat es gar nicht abgeschreckt, von der Betreibung der schönsten Anstalt: sondern" es wurde verabredet im nächsten Monate den Armenpfleger mit noch einem Manne von Hause zu Hause zu schicken, um den Leuten das Allmosen geben noch mehr zu erleichtern.» Die optimistischen Äusserungen des Pfarrers von Balzers konnten nicht mehr dazu beitragen, das Oberamt aus seiner Resignation gegen- über einer allgemeinen Sammlung zu reissen. Den letzten Anstoss ga- ben die Berichte aus Triesen, von wo Pfarrer Benedikt Schmidt meldet, dass trotz seiner nachdrücklichen Predigten keine Erfolge zu erzielen seien: «Ich höre vielmehr, dass man gar keine Lust habe, auf diese Art etwas beyzutragen.» Den Hauptgrund zur Weigerung der Bevölkerung erblickte das Oberamt darin, dass den Leuten jede Neuerung oder vielmehr jegliche gute Anstalt und Ordnung zuwider sei, eine ausgesprochene Eigen- nützigkeit liege auf der Hand. Man sei nun nicht einmal bereit, die eigenen Armen zu unterstützen, obwohl die Belastung durch die aus- ländischen Bettler weggefallen sei. Die Situation für die Liechtensteiner' Armen wurde inzwischen doch ernst: Die geleisteten Beiträge der Geistlichen und Beamten wa- ren für eine effektive Hilfe unzureichend, um so mehr als den Armen das Betteln «von Haus zu Haus» behördlich verboten war. Dieses Verbot musste nun wieder aufgehoben, und es blieb den Geistlichen, Ortsrichtern und Armenpflegern überlassen, wenigstens Missbräuche zu verhindern und nicht dem' Müssiggang Vorschub zu leisten. Letztlich waren die Bestrebungen zu einer gemeinsamen Armen- kasse daran gescheitert, dass jede Gemeinde fürchtete, die gesammel- ten Beträge würden nicht in vollem Ausmasse wiederum den eigenen .Gemeindearmen zugute kommen. Man -hätte daher anfänglich, wie auch von einigen Geistlichen vorgeschlagen, mit selbständigen Ge- meindekassen beginnen müssen. 500
        

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