• Wie wenig man dieses Dekret ernst nahm, beweist schon der Um- stand, dass zwei Jahre später die Gemeindevorsteher von Vaduz keine Anstalten machten, einen neuen Nachtwächter anzustellen, und in Liechtenstein ganz allgemein die des öfteren publizierte Landes-Polizei- ordnung selbst von den' Vorgesetzen offensichtlich missachtet wurde. So kam es, dass sehr verdächtigem Gesindel, «ja so gar in offenen Li- sten beschriebenen Dieben Unterschiauf» gewährt wurde. Die öffentliche Sicherheit ist gefährdet Mit der zunehmenden Radikalisierung der innenpolitischen Ver- hältnisse in Frankreich und dem Ausbruch des Krieges mit Österreich nahm auch in Liechtenstein das «fremde Gesindel» zu, welches nach Aussagen des Oberamtes im ganzen Land «hin und herschwärmt, und . . . . das Eigenthum der Unterthanen so wohl in Häusern als auf dem Feld» gefährdete. Man sah daher im Jahre 1794 nur den einen Ausweg, tagsüber durch Doppelposten in den einzelnen Gemeinden das Gesindel aufzufangen und über den Rhein in die Schweiz abzuschieben. Das Oberamt dachte nicht mehr im Entfernten daran, der Verfü- gung des Schwäbischen Kreises nachzukommen, nach welcher man «einzelnen» Fremden die Gastlichkeit nicht versagen und ihnen auch zu weiterem Fortkommen behilflich sein sollte; gedacht war in erster Linie an französische Emigranten. Den Liechtensteiner Behörden be- deuteten diese humanitären politischen Gesichtspunkte wenig. Für sie war die Feststellung massgebend, dass die immer zudringlicher wer- denden Fremden, die sich meist mit Betteln durchschlugen, der All- mosen eigentlich nicht bedurften: '«.... allein die mehreten unter ihnen sind junge, starke Leute, die nur dem Müssiggang nachziehen, Leute, die die Arbeit scheuen, sich lieber auf das Herumschwärmen, Betteln und Stehlen verlegen, wo sie neben zu noch das abscheulichste Leben führen und alle Laster begehen». Der Wille des Oberamtes war vorerst noch zu schwach und nicht massgebend, die für das Land zweifellos belastenden Mißstände abzu- stellen: Die meisten Dekrete wurden von der Bevölkerimg und selbst von den Vorstehern der Gemeinden übersehen. Die Antwort nach dem Warum versucht Pater Antoninus aus Eschen zu geben. Er glaubt, der gemeine Mann zeige viel zu grosse Anhänglichkeit an diese «Landes- schwärmer», weil er durch sie mit Neuigkeiten aber auch Aberglauben 479
        

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