die Schweizer abgegeben werden, was für die Bauern nicht nur eine zusätzliche physische "Belastung in der Landwirtschaft, sondern auch ein furchtbarer finanzieller Verlust war, wenn man bedenkt, dass ein Pferd um etwa 350 Gulden verkauft werden konnte. Dieser Betrag lag ungefähr in der Höhe, des Jahreseinkommens eines Bauern, Taglöhners oder Kleingewerbetreibenden. Auch die Hoffnung auf eine gute Ernte im Herbst 1799 ging nicht in Erfüllung. Nach den Niederlagen der Kaiserlichen bei Zürich ström- ten' im September russische und österreichische Truppen und mit ihnen flüchtende Schweizer völlig ausgehungert und demoralisiert nach Liechtenstein, nach Quellenaussagen gegen 10000. «Einen unbeschreib- lichen Hunger brachte das Volk aus der Schweiz mit. Hier wurde nichts zeitig. Das Militär nahm uns den unreifen Türken und die Trau- ben, Grundbirnen, Obst usw. alles hinweg.. . Fürchterlich sieht es aus um den Landstrassen; alles ist hin, die Schuhe und Kleider ab dem Leib nehmen sie den Leuten». Das Jahr 1800 brachte neue Leiden: Wiederum marschierten die Franzosen in Liechtenstein ein, und der Sommer war so heiss, dass viele Wälder und-das Gras verdorrten, die Brunnen austrockneten. Die Vorräte der Bauern waren längst aufgezehrt, so dass man sich in der Not nach Feldkirch wandte, wo man gefälligerweise einige Lieferungen an «Früchten» abgab. Auf die Dauer war dies jedoch nicht möglich, litt Vorarlberg doch selbst unter dem Mangel an Nahrungsmitteln, welche aus Tirol eingeführt werden mussten. Auch Landvogt Menzin- ger dachte an einen Import aus Tirol und wurde dabei von Kreishaupt- mann Vikari und Vogteiverwalter Steiger aus Feldkirch unterstützt: Das Oberösterr. Landesgubernium lehnte jedoch ab und bestand auf der Exportsperre. Johann Rheinberger, Adlerwirt in Vaduz, erhielt schliesslich den oberamtlichen Auftrag, die mangelnden • Nahrungsmittel aus der Schweiz zu beschaffen. Zu den bis in den März 1801 dauernden französischen Requisitionen und Exekutionen kam noch die Maul- und Klauenseuche. Man muss sich wirklich wundern, wie es den Liechtensteinern möglich war, allen Forderungen nachzukommen. Da die Bevölkerung keine Barschaft mehr besass, innerhalb eines Ortes kaum einige 100 466
        

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