Die allgemeine Wirtschaftslage Um 1820 kennzeichnet ein höherer Beamter in Vorarlberg die Lage Liechtensteins folgendermassen: «Das Land ist unbeschreiblich arm und äusserst verschuldet, weil es unverhältnismässig viel einst zum rheinischen Bunde und jetzt zum deutschen Staatskörper beitragen muss. Der Charakter des Volkes ist arbeitsam, geduldig, ausharrend, gutmütig, gar nicht streitsüchtig. Prozesse sind wenige, Konkursexeku- tionen beinahe täglich.» Die last einzige Einnahmsquelle um 1800 bestand in der Viehzucht und Landwirtschaft. Der grösste Teil des landwirtschaftlich nutzbaren Bodens war jedoch nicht angebaut, sondern diente für den Auftrieb des Viehs, da die einheimischen Almen nicht ausreichten, und die Ried- böden wurden mit Pferden bestossen.. Die konservative Bevölkerung schätzte damals noch kaum die Kartoffeln, und Hirse, Gerste und Mais waren als Hauptnahrungsmittel im Verhältnis zur Bevölkerungszahl nur in bescheidenen Mengen angebaut worden. Es wundert daher nicht, dass selbst. in Friedenszeiten die Ernährung der Bevölkerung keine ausreichende war und ungünstige Witterungsbedingungen je- weils eine Hungersnot heraufbeschworen. Da sich durch die weitge- hende Hauswirtschaft Geld nur in geringem Umlauf befand, konnten in Notzeiten die fehlenden Nahrungsmittel kaum angekauft werden. Im zweiten Jahr der französischen Revolution machte sich in den Liechtenstein angrenzenden Staaten bereits eine Teuerung der Lebens- mittel bemerkbar, so dass sich das Oberamt, wie später noch oft, zum erstenmal seit langer Zeit genötigt sah, eine Früchte- und Viktualien- ausfuhrsperre zu veranlassen. Auch der für manchen Bauer lebensnot- wendige Verkauf von Vieh hatte nicht die gewünschten Einnahmen gebracht. Die Heuernte war so schlecht gewesen, dass man das Vieh mit Obst hatte füttern müssen, «das magere Vieh aber fast um keinen Preis zu Geld gemacht werden» konnte. Als im Juni 1792 vom Kreisamt in Bregenz allen Vorarlberger Ständen die Ausfuhr von Vieh und Naturalien untersagt wurde, konnte das auch für Liechtenstein nichts Gutes bedeuten. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die kaiserliche Regierung auch das Fürstentum in den Sperrbereich mit einbezog, weil es zum Durchzugsgebiet der Vor- arlberger Viehschmuggler in die Schweiz und nach Graubünden wurde, 463
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.