die Entscheidung des Fürsten mit einem Bundesbeschluss zu verein- baren, fuhr von Hausen schnellstens nach Frankfurt. Linde veranlasste durch den Präsidialgesandten Kübeck eigens eine Bundestagssitzung auf den 2. Juli, um die Sanktion des Bundes für die geplante Verwen- dung des Kontingents zu erlangen. Doch die Versammlung verwies Lindes Mitteilung lediglich an die Militärkommission zur weiteren Beratung.252 Von Hausen kehrte mit einem unbefriedigenden Ergebnis nach Vaduz zurück. Hier war aber inzwischen die grösste Aufregung ausgebrochen. Da die Regierung mit der Kundmachung der fürstlichen Verfügung zuwar- ten wollte, bis von Hausen mit der Legitimation des Bundes zurück- kehrte, hatte niemand im Land etwas gewusst, bis plötzlich am 1. Juli vom Oberkommando der Tiroler Landesverteidigung der schriftliche Befehl eintraf, das Kontingent am 7. Juli abmarschieren zu lassen. Die Bevölkerung war wie vor den Kopf geschlagen. Die Erregung stieg noch, als der Landesverweser, kaum zurückgekehrt, die Mannschaft ungesäumt einberufen liess: «Allgemein schrie man: Liechtenstein sei verraten.»263 Den Verräter sah das Volk in von Hausen, dessen kürz- liche Reise nach Wien man sich nun dahin deutete, er habe den Für- sten zum Truppenausmarsch veranlasst, um sich in Österreich beliebt zu machen; die Reise nach Frankfurt erschien vollends als Beweis. Ein treuer Diener seines Herrn, erschien der Landesverweser als Lüg- ner, während man dem Fürsten selber eine Entscheidüng, wie er sie getroffen hatte, gar nicht zutraute.254 Sie versetzte von Hausen in eine schwierige Lage. 252 Prot. BV. 1866, 2. Juli 1866, § 210, S. 387; Linde an Fürst, 2. Juli 1866, HK 1866/7726. 253 Bericht von Hausens, 8. Juli 1866, siehe oben Anm. 
245. — « . . man sprach von Verrath und Verkauf und auch von Widersetzlichkeit.» Schreiben an Linde, 6./7. Juli 1866, siehe oben Anm. 245; Die Lokalblätter der Umge- bung fügten der Meldung, dass der Fürst sein Kontingent dem Kaiser zur Verfügung gestellt habe, noch «bittern Spott» hinzu; ebda. 254 Bericht von Hausens, 8. Juli 1866, siehe oben Anm. 
245. — Der Verfasser des Schreibens an Linde vom 6,/7. Juli 1866, siehe oben Anm. 245, sprach offen von «des Fürsten unbedachtsamer, eigenmächtiger Handlung»; er setzte alles ein, sie rückgängig zu machen oder wenigstens den sofortigen Besuch des Fürsten im Land zur Erklärung zu bewirken. 385
        

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