sein könnten.246 Von Hausen ahnte die Absicht des Fürsten und schil- derte ihm daher am 28. Juni die Stimmung im Lande: «Die Bevölke- rung Liechtensteins — treu ergeben dem hohen Fürstenhause — klam- mert sich mit einer fieberhaften Ängstlichkeit an den Gedanken des Fortbestandes des Deutschen Bundes und erkennt in der Bundesver- sammlung sowie in den von den Gesandten der betheiligten Regierun- gen gefassten Beschlüssen eine Garantie des Fortbestehens ihrer" eige- nen staatlichen Selbständigkeit.» Von einem nicht aüf Bundesbeschlüs- sen basierenden Vorgehen fürchte man unberechenbare Konsequenzen. Um sich davor zu schützen, seien die Mitglieder des Landtages und die überwiegende Mehrzahl des Volkes der Ansicht, dass, solange die Buh- desversammlung rechtsgültige Beschlüsse fasste, der Fürst diesen auf keinen Fall vorgreifen möchte.'247 Inzwischen stellte aber Johann IL, um einer Einberufung des Kontingents von Bundes wegen zuvorzu- kommen und nicht «die bundesbrüchigen deutschen Brüder mit eige- ner Hand zu bekämpfen»,248 am 28. Juni sein Kontingent dem öster- reichischen Kaiser zur Verteidigung der Grenze gegen Italien so lange zur Verfügung, als nicht ein Bundesbeschluss anderweitige Verwen- dung forderte.240 Er wies den Kommandanten Rheinberger an, das Kontingent dem Kommando der Tiroler Landesverteidigung unter Graf Castiglione zu unterstellen,250 und liess zugleich durch Linde die Bun- desversammlung in Kenntnis setzen.251 Die fürstliche Verfügung bewirkte eine ernste Krise im Land. Vor- erst beriet sich der Landesverweser mit den beiden Regierungsmitglie- dern, die sehr überrascht waren und eine auswärtige Verwendung des Kontingents und-die damit verbundenen Ausgaben nur für gerecht- fertigt erachteten, wenn sie auf einem Bundesbeschluss beruhten. Um 246 Telegramm.des Fürsten an von Hausen, 27. Juni 1866, LRA 1866/1141, ad 7. 247 Von Hausen an Fürst, 28. Juni 1866, HK 1866/7766; Konzept im LRA 1866/1141, Nr. 7. 248 Botschaft des Fürsten an den Landtag, 25. Juli 1866, zit. bei Schädler, Landtag, JBL 1901, S. 139, und bei Ospelt, Feldzug 1866, JBL 1924, S. 48. 249 Fürst Johann II. an Kaiser Franz Joseph, Abschrift, o. D., vom 28. Juni 1866, wie aus dem Aktenzusammenhang hervorgeht, HK 1866/10923 (zu 7528); ebenso LRA 1866/1141, Nr. 9. 250 Telegramm des Fürsten, 28. Juni 1866, HK 1866/10923 (ad 7528). 251 Telegramm des Fürsten an Linde, 28. Juni 1866, ebda. 384
        

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