Schäfte Ende 1860 ordnete er an, dass den Bundesvorschriften in Aus- bildung und Bereitschaft des Kontingents stets entsprochen werden müsse.145 Indessen musste er bald erkennen, dass die Lücke zwischen Forderung und Wirklichkeit zu gross war, um in vernünftiger Weise geschlossen zu werden. Zwar erhielt das Kontingent eine neue Bewaff- nung,146 doch der Hauptmangel, die zu geringe Präsenz- oder Dienst- zeit, wurde auch durch Johann II. nicht behoben. Die Bundesvorschrift, wonach die Dienstzeit des einzelnen Mannes volle zwei Jahre betragen musste, war für Liechtenstein finanziell untragbar. Die wirkliche Prä- senz betrug höchstens fünf bis sechs Monate. In den jährlich dem Bund eingereichten Standeslisten aber wurde sie höher, nämlich mit neun bis zehn Monaten angegeben.147 Da auch dies noch viel zu wenig war und vom Bund beanstandet wurde, schlug der neue Landesverweser 1861 dem Fürsten vor, einfach anzuführen, die Präsenz sei auf das er- forderliche Mass erhöht worden. Das sei zwar eine «Notlüge», aber durch die Umstände gerechtfertigt; Linde habe beigepflichtet und ver- sichert, dass diese Praxis auch von andern deutschen Regierungen ge- übt werde.14S Der kleine Betrug fand in der Tat die Billigung des Fürsten.149 Der Kommandant, Oberleutnant Peter Rheinberger,150 gab 145 Handbillett des Fürsten, 17. Nov. 1860, HK PExh. 1860/14328. Im Dez. 1860 besprach sich der Fürst mit Kdt. Rheinberger in München zur ra- scheren Erledigung der Militärfrage; Handbillett des Fürsten, 16. Dez. 1860, HK 1861/1010 (1860/15341). 146 Es wurden 90 neue Gewehre angeschafft; Regierungsamt an Fürst, 1. Jan. 1861, HK PExh. 1861/509; Genehmigung des Fürsten und Bestellung der Hofkanzlei, 26. Jan. 1861, ebda. 147 Vgl. Standesübersicht vom 1. Jan. 1860, BAF Nachlass Linde 59; ebenso Rheinbergers Äusserungen vom 14. Sept. 1861, HK 1862/ 9434 (o. Nr.). 148 Von Hausen an Fürst, 18. Okt. 1861, LRA 1861/XXI/13, Nr. 1610. • 149 Entschliessung des Fürsten vom 13./23. Nov. 1861: «Mit dem Regierungs- amte einverstanden», siehe oben Anm. 148. 150 Peter Rheinberger (1831 — 1893), Sohn des Rentmeisters Johann Peter Rheinberger, besuchte 1846 — 48 die Kantonsschule Chur und 1855/56 als Hospitant an der polytechnischen Schule in München Vorlesungen und Übungen für Ingenieure. Nach Anwendung und Erweiterung seiner Kenntnisse als Bahningenieur in Chur (1856/57) und in der Linthebene (1857 — 59), leitete er ab 1859 als «Landestechniker» die öffentlichen Bau- arbeiten des Fürstentums — vor allem die gewaltigen Rheinwuhrarbeiten — bis zu seinem Tode. 1848 als Kadett ins Hohenzollern-Liechtensteinische 362
        

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