bergs, den Bismarck später selber als «zornigen, aber sehr ehrliebenden Herrn» schilderte,119 lässt darauf schliessen, dass Bismarck mit schwe- rem Geschütz aufgefahren war. Nur zu vermuten ist, dass er sich über die Trabantenrolle des liechtensteinischen Gesandten und der 16. Kurie ausgelassen hatte. Dieser Streit scheint einer der schwersten gewesen zu sein unter mehreren,, die gerade in diesen letzten Julitagen 1856 zwischen den beiden Gesandten entbrannten.120 Österreich ging es da- rum, den in der orientalischen Frage verlorenen Boden wieder wettzu- machen.121 Doch in dem Masse, als Österreichs Stellung im Bund wie- der günstiger wurde, nahm die preussische Bundesfeindlichkeit zu,122 und jeder noch so unbedeutende Verhandlungsgegenstand wurde wie- der zum Anlass des Machtstreits.123 In diesen Zusammenhang gerückt, erscheint auch der Zwist um das liechtensteinische Kontingent nur als Symptom einer grösseren, grundsätzlichen Auseinandersetzung. Im Einverständnis mit dem österreichischen Gesandten gab Linde wobei aber nur eine «Aussprache» wegen des liechtensteinischen Kon- tingents erwähnt wird; Notiz vom 29. Juli 1856, dazu Bismarck an Man- teuffel, 20. Aug. 1856, DZM Militaria 27 Vol. I. - Die österreichischen Ge- sandtenberichte schweigen ganz über die Auseinandersetzung (HHSTA: Politischer Index; P. A. II Frankfurt; P. A. I Nachlass Rechberg; 'Ge- sandtschaftsarchiv Frankfurt/Dt. Bund «Militaria»'; freundliche Mitteilung von Dr. Richard Blaas, Direktor des HHSTA in Wien). - Auch im BAF, wo die Protokolle des Bundesausschusses für Militärangelegenheiten aller- dings nur bruchstückhaft erhalten sind, findet sich kein weiterer Hinweis (freundliche Mitteilung von Oberarchivrat Dr. Latzke, Bundesarchiv Frankfurt a. M.). 119 Bismarck, Erinnerung und Gedanke, GW XV, S. 228 (Kap. 6). Vgl. Meyer, S. 278, 280. 120 Vgl. Meyer, S. 316, 320, 373, 389. - Die bekannte Auseinandersetzung zwischen Bismarck und Rechberg, die zur Duellforderung-und beinahe zum Duell selber führte, ereignete sich erst 1858; vgl. Bismarck, Erinne- rung und Gedanke, GW XV, S. 227 f. (Kap. 6); vgl. Meyer, S. 280, 412 f. - Der von Linde berichtete Streit wegen des liechtensteinischen Kontingents wird bisher nirgends in der Bismarckliteratur erwähnt, auch bei Meyer nicht. 121 Rechberg strebte daher nach der Verständigung mit Preussen, vgl. Engel- Jänosi, S. 31. 122 Vgl. Meyer, S. 301 ff. 123 Engel-Jänosi, S. 32 f. Vgl. Meyer, S. 292 ff., 296, 387 ff., 405 ff. 358
        

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