Verfassung in jenen Teilen, welche die Reservedivision und damit auch Liechtenstein betrafen, nicht ergänzte und auch keiner Übergangs- lösung zustimmte, so lange konnte es zu keiner Regelung des liechten- steinischen Kontingentsverhältnisses kommen.114 Die Bundesmilitär- kommission und die Bundesversammlung rügten seit 1855 jährlich ein- bis zweimal die Mängel des liechtensteinischen Kontingents und for- derten Liechtenstein auf, sie zu beheben.115 Dazu aber war der Fürst nur im Rahmen einer Gesamtregelung bereit. Zwar setzte sich auch der österreichische Gesandte am Bund für das liechtensteinische Kontingent ein.116 Dies war mit ein Grund für das Bestreben des Fürsten gewesen, in der orientalischen Frage nicht gegen Österreich aufzutreten. Im Sommer 1856 kam es wegen des liechtensteinischen Kontingents gar zu einer persönlichen Auseinan- dersetzung zwischen Rechberg117 und Bismarck: Rechberg beantragte im Militärausschuss der Bundesversammlung, auf die eigentümlichen Verhältnisse des liechtensteinischen Kontingents mehr Rücksicht zu nehmen. Dem widersetzte sich Bismarck sehr entschieden, und als nun Rechberg seine Ansicht in einem Separatvotum niederlegte, soll ihm Bismarck so «leidenschaftlich» entgegnet haben, dass Rechberg es an- gemessen fand, «mit Herrn von Bismarck sich persönlich zu beneh- men», das heisst einen Ehrenhandel auszutragen. Darauf nahm Bis- marck seine Äusserungen zurück unter der Bedingimg, dass Rechberg vom Separatvotum absehe, was geschah.118 Die heftige Reaktion Rech- 114 Linde an Fürst, 2. Aug. 1856, HK S 318. - Vgl. die Revidierte Kriegs- verfassung 1858. 115 Prot. BV. 1855, § 155, S. 412; Prot. BV. 1856, S. 643 ff.; Prot. BV. 1857, § 52, S. 64 f., 70 ff.; Prot. BV. 1858, § 316, S. 882, 896. 116 Fürst an Linde, 2. März 1855, BAF Nachlass Linde 60; Linde an Fürst, 30. Apr.-1855, BAF Nachlass Linde 59; Rechberg an Fürst, 27. Aug. 1858, HK H 1691. 117 Graf Johann Bernhard von Rechberg (1806-1899), 1855-1859 österr. Gesandter in Frankfurt, 1859 — 1864 österr. Aussenminister, 1860 Minister- präsident. 118 Dies berichtet der mit den österreichischen Gesandten vertraulich ver- kehrende Linde am 2. Aug. 1856 dem Fürsten; die Auseinandersetzung hatte einige Tage zuvor stattgefunden; Linde an Fürst, 2. Aug. 1856, HK S 318. — Ausser dem Zeugnis Lindes fanden sich über diese Auseinander- setzung in den Akten der preussischen Gesandtschaft einige Hinweise, 357
        

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