mungen im liberalen und humanen Sinne entschied,162 bewies er eine entschiedene sozialpolitische Reife. Der Landtag liess auch nicht zu, dass Beamte, Geistliche, Lehrer und Offiziere von den Gemeindelasten befreit blieben, wie zuerst vorgesehen war; er verhinderte damit die Bildung einer wiederum bevorrechteten Klasse.163 Der Fürst sprach dem Landtag denn auch seine Befriedigung über das ganze Werk der Gemeindeverfassung aus.164 In der Praxis entwickelte sich die angestrebte Eigenständigkeit der Gemeinden dann freilich nicht im erwarteten Masse. Einerseits wirkte die Gewohnheit, Befehle bei der Regierung einzuholen, weiter.165 An- dererseits fand sich die alte Alleinherrschaft des Vorstehers unter Miss- achtung des neuen Gesetzes ebenfalls noch.166 Die Gemeinderäte wa- ren sich der Verantwortung wie der Möglichkeiten, die ihnen mit der Autonomie gegeben waren, noch nicht wirklich bewusst. Überdies er- streckte der Landesverweser seine rege Tätigkeit auch auf die Gemein- den: Trotz seiner besten Absichten musste er sich den Vorwurf «auto- kratischen Eingreifens» in die Gemeindegeschäfte nicht ganz zu Un- recht gefallen lassen.167 Unter den Nachfolgern von Hausens wurde dessen Praxis fortgesetzt, so dass schliesslich Wilhelm Beck 1912 das bittere Urteil fällen konnte: «In Liechtenstein herrscht über die Ge- meinde das System des französischen Staatsabsolutismus».168 Auch das 162 Vgl. Kesslers Komissionsbericht, Landeszeitung, 26. März 1864, Nr. 7, S. 25 ff. Dazu Schädler, Landtag, JBL 1901, S. 105 f. Siehe die Landtags- verhandlungen vom 29. Febr. 1864, Landeszeitung 1864, Nr. 8, Beilage II. 163 Landeszeitung, 5. März 1864, Nr. 6, Beilage. 164 Botschaft des Fürsten an den Landtag, 4. März 1864, Landeszeitung 1864, Nr. 10, Beilage II. Vgl. Schädler, Landtag, JBL 1901, S. 107 f. 165 Vgl. Schädler, Landtag, ebda. 166 Vgl. die Klage von Lehrer Beck, Triesenberg, über das rohe Regiment des Vorstehers Nägele, welcher den erforderten Gemeindevoranschlag mit den Worten, «man könne unmöglich im voraus wissen, was es im Jahre hindurch für Ausgaben gebe», unterliess, dafür aber die Anzahl der Mäuse festsetzte, welche jeder Triesenberger Gutsbesitzer zu fangen und abzuliefern hatte; Landeszeitung', 11. Febr. 1865, Nr. 4, S. 13 f. — Siehe auch die Klage über «Gewalthaber» in einzelnen Gemeinden, Lan- deszeitung, 17. Juni 1865, Nr. 16, S. 63. 167 Vgl. Schädler, Von Hausen, JBL 1906, S. 13 ff. Dies bestätigen auch die Protokolle der Regierungssitzungen 1862 — 1884, LRA. 168 Beck, S. 28. — Vgl. aber die Entgegnungsschrift (siehe oben Anm. 58), S. 8 f. 322
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.