bei allen Gemeindebeschlüssen — ausser in Fragen des Gemeindever- mögens — stimmberechtigt. Das Gesinde, von den Landtagswahlen durch die Verfassung gänzlich ausgeschlossen,155 war im Gemeinde- wahl- und -Stimmrecht nur noch vom passiven Wahlrecht ausge- schlossen. Zur Beteiligung an dem aus dem Bürgerrecht fliessenden Gemeindenutzen war die Führung einer selbständigen Haushaltung erforderlich.150 Bei der Beratung des von der Regierung vorgelegten Entwurfs der Gemeindeordnung hatte der Landtag wesentliche Änderungen durch- gesetzt.157 Dabei hatte sich etwas ganz Unerwartetes gezeigt: Während nämlich die Regierungsvorlage der Gemeindevertretung einen sehr grossen Wirkungskreis und die alleinige Verwaltung des Gemeindever- mögens eingeräumt hatte, wollte der Landtag viele Beschlüsse des Ge- meinderats der Genehmigung der Landesbehörde unterstellt und die Vermögensverwaltung der Kontrolle eines verstärkten Bürgerausschus- ses und der Regierung untergeordnet sehen. Von Hausen schrieb an den Fürsten, als er die vom Landtag beschlossene Gemeindeordnung zur Sanktion empfahl: «Es trifft hier der abnormale, jedoch Beachtung ver- dienende Fall ein, dass die Regierung die Autonomie der Gemeinden in einer viel ausgedehnteren Weise gewahrt wissen wollte, als diess die Landesvertretung nach ihren Beschlüssen für dieselben in Anspruch nimmt.»158 Hatte bisher jede Bestrebung der weiteren Ausdehnung der Gemeindeautonomie gegolten, so erschien nun, da es an ihre Verwirk- lichung ging, doch auch ein Bedenken gegenüber den Gemeinden sel- ber; das Ergebnis zeugte von einsichtiger Selbstbeschränkung. Sicher spielte überdies die Überlegung mit, dass Autonomie zugleich Selbst-" Verpflichtung hiess und dass daher bei einer gewissen Unterstellung 155 Siehe oben S. 289. 156 Vgl. dazu Landeszeitung, 25. Febr. 1865, Nr. 6, S. 23. - Mit dem Gesetz vom 5. Jan. 1869, LGBI. 1869, Nr. 1, wurde der umstrittene Begriff der «selbständigen Haushaltung» definiert: Massgebend war der Unterhalt einer eigenen Feuerung («Räuche»), also nicht etwa die Haushäblichkeit. 157 Die Landtagskommission hatte eine wesentliche Umarbeitung des ur- spünglichen, nach österreichischem Vorbild konzipierten Regierungsent- wurfs bewirkt; Kommissionsbericht von.Kessler, Landeszeitung, 20. Febr. 1864, Nr. 5, Beilage. 158 Landesverweser an Fürst, 19. März 1864, HK 1864/6335 (4749). 320
        

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