Glauben an die Wahrheit des Volksempfindens wurde proklamiert: «Die Landeszeitung soll der wahre Ausdruck der öffentlichen Meinung sein; sie soll den Weg anbahnen für die naturgemässe Fortbildung der politischen Zustände, für die Beseitigung der Mängel. Das Urtheil der öffentlichen Meinung ist die sicherste Bürgschaft für Recht und Sitte.» Neben politischer Bildung wollte die Landeszeitung neue Ansporne in den verschiedenen Erwerbszweigen geben und zugleich der Bevölke- rung den Blick über die engen Grenzen des Landes hinaus öffnen.98 Sie erwies sich als Vorkämpferin demokratischer Ideen, verfocht aber zu- gleich auch eine loyale Haltung gegenüber Fürst und Behörden. In kirchlichen Fragen zeigte sie sich massig, nur gegenüber Rom und dem Papst behielt sie einen auffallend unfreundlichen Ton bei. Aufschluss- reich für das politische Selbstbewusstsein der Liechtensteiner sind der Spott und die Genugtuung, mit welchen weniger fortschrittliche Zu- stände in andern deutschen Staaten, besonders auch in Österreich und sogar in der Schweiz, verzeichnet und kritisiert wurden.99 Im ersten Presseprozess im Jahre 1865 billigte das Landgericht eine in der Landes- zeitung erschienene bissige Kritik an einem Gemeindevorsteher100 und entschied damit zugunsten der Pressefreiheit. Die Landeszeitung trug wesentlich dazu bei, die Neuerungen im Volk verständlich zu machen. Die erwachende Regsamkeit erschöpfte sich nicht in der Zeitungs- gründung. Der Lehrerverein101 und das Priesterkapitel102 entwickelten eine erhöhte Aktivität. Ein landwirtschaftlicher Verein,103 ein Bienen- 98 Landeszeitung, 12. Apr. 1863, Nr. 1, S. 1. 99 Z. B. Landeszeitung 1864, Nr. 9, S. 35; Nr. 15, S. 58; Nr. 17, S. 67; Nr. 19, S. 75; 1865, Nr. 2, S. 6; Nr. 5, S. 17 f.; etc. 100 Landeszeitung, 8. Apr. 1865, Nr. 11, S. 41 f. - 101 Z. B. Landeszeitung, 4. Juni 1864, Nr. 12, S. 45 f. 102 Siehe Marxer, Priesterkapitel, JBL 1934, S. 71 f.; vgl. Landeszeitung, 28. Mai 1863, Nr. 4, S. 14 f. 103 Alois IL- hatte schon 1847 einen landwirtschaftlichen Verein angeregt, - dieser kam aber wegen der 1848er Ereignisse nicht zustande, weil, wie Menzinger bitter bemerkte, «was früher für Volkswirthschaft mit Auf- wand und Mühe geschehen war, soviel möglich rückgängig zu machen gesucht wurde.» Menzinger an Fürst, 14. Aug. 1850, LRA XIC/41. — Am 27. Febr. 1862 konstituierte sich der Landwirtschaftliche Verein; LRA 1862/II/2, Nr. 88. Im Jahre 1865 ging er freilich wieder ein;- erst 1885. wurde ein neuer geschaffen; vgl. Schädler, Landtag, JBL 1904,S. 50; siehe auch Landeszeitung 1865, Nr. 6, S. 24. 311
        

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