tums wie die landesfürstlichen Rechte zu wahren (§ 123).54 Damit stand der Fürst nicht mehr über der Verfassung: «Le regne de la loi remplace le principe de la monarchie de droit divin» — in diesem Vorgang sieht Raton zu Recht den modernen Wandel durch die Verfassung von 1862.55 Indem überdies dem Landtag und dem Landesausschuss über die Aufrechterhaltung der Verfassung zu wachen aufgetragen wurde (§§ 40, 42, 113), war die Gewähr derselben ebensosehr dem Volk anver- traut wie dem Fürsten.56 Einen kritischen Betrachter fand die Verfassung von 1862 fünfzig Jahre später in Wilhelm Beck, der Liechtenstein die Rechtsstaatlichkeit absprach,57 das Wahlsystem undemokratisch und die Rechte und Pflich- ten der Bürger geradezu «kümmerlich» fand.58 Becks Kritik entsprang indessen juristischen Prinzipien und politischen Forderungen einer späteren Zeit und ist daher nicht als historisches Urteil zu werten. Zu ihrer Zeit fand die liechtensteinische Verfassung nämlich eine durchwegs günstige Aufnahme. Als sie zusammen mit der neuen Or- 54 Diese Erklärung fügte Johann 11. für seine Person gleich der Verfassungs- urkunde vom 26. Sept. 1862 an. Siehe die Faksimile-Wiedergabe oben S. 282, Tafel IV. 55 Raton, S. 46. 56 Wenn indessen Raton, S. 46, daraus folgert: «Par lä s'affirme la Supre- matie du pouvoir populaire et de la volonte nationale sur la volonte du prince», so geht er doch wohl etwas zu weit. Denn die Verfassung trug in dieser Zeit immer noch den Charakter von dem Volk zugestandenen Rech- ten und Garantien, welche es vor allem dem Fürsten und dessen Beamten gegenüber zu schützen galt. 57 Beck, S. 24, 27. - Zu Beck siehe Raton, S. 66, 77, 120 ff. Beck war liechten- steinischer Politiker und Jurist schweizerischer Observanz, Gründer der ersten liechtensteinischen Partei, der «Volkspartei», die während des Ersten Weltkrieges die Abwendung Liechtensteins von Österreich vorbereitete; aus ihr wuchs die heutige «Vaterländische Union» heraus. 58 Beck, S. 25 f., 
14. — Demgegenüber fiel Lokay, S. 18, ins andere Extrem, wenn er 1935 feststellte: (Die Verfassung von 1862) «n'a pas donne lieu ä de serieuses critiques. discussions ou controverses. La principaute aurait donc pu s'epargner les frais d'une nouvelle 
Constitution», — womit er die Verfassung von 1921 meinte. — Vgl. zu Beck, dessen Büchlein in manchem polemisch anmutet, die äusserst heftige Entgegnungschrift: «Das Recht des Fürstentums Liechtenstein», Separatdruck aus der «Zeitschrift für Notariat und freiwillige Gerichtsbarkeit in Österreich», Jg. 1912, Wien, gezeichnet mit «St. G.». 302
        

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