von Seiten des Fürsten kaum mehr mit begründeten Einwänden be- gegnet werden konnte, umsomehr als ja auch von Hausen, welcher die Position des Fürsten jetzt kannte, an der Ausmittlung beteiligt war. Die Kompromissbereitschaft wurde in einer andern Frage denn auch auf beiden Seiten augenscheinlich demonstriert: Nachdem der Fürst den Landständen am 25. März 1862 auf deren Bitten erlaubt hatte, die Staatsrechnung 1861 und das Budget 1862 zu prüfen,107 verzichteten die Ländstände auf dem ausserordentlichen Landtag vom 22. April 1862108 nun ihrerseits einstimmig auf die Prüfung und Genehmigung von Staatsrechnung und Budget, weil die neue Verfassung weit genug gediehen sei, «um mit-vollem. Grunde eine baldige Sanction der ge- machten Anträge gewärtigen zu können».109 Der Beschluss sollte das Vertrauen der Landstände zu Fürst und Regierung manifestieren und wohl auch den Weg zur Annahme der Verfassungswünsche ebnen. Seit der Januarkonferenz in Wien hielt sich der Fürst aus den Ver- fasungsverhandlungen heraus. Von Hausen und Linde mussten mit den Landständen allein zur Einigung gelangen.110 Ende Mai betrach- 107 Hofkanzlei an Regierungsamt, 25. März 1862, LRA 1862/XV/15, Nr. 3388; von Hausen hatte die Bitte der Landstände dem Fürsten am 5. März 1862 mitgeteilt, ebda., Nr. 297 pol. 108 Einladung von Hausens an alle Landstände, 14. Apr. 1862, LRÄ 1862/XV/15, Nr. 451 pol. — Interessant ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass von Hausen neben den Gemeindevertretern und den drei geistlichen Stän- den auch Altpostmeister Wolfinger aus Balzers und «Gutsbesitzer» Kirch- thaler aus Vaduz zum Landtag einlud, offenbar in Anwendung der Bestim- mung in § 4 der landständischen Verfassung von 1818, wonach Personen, welche an liegenden Gründen einen Steuersatz von 2000 fl. ausweisen, eben- falls landstandsberechtigt waren. Wie die Landtagsprotokolle bis 1860, LRA LXXII/19, dartun, war dieser Artikel nie angewendet worden; vgl. auch oben S. 20 Anm. 38. Erst von Hausen brachte diese Erweiterung der Landstände in Anwendung. Höchst wahrscheinlich hatten die beiden begüterten Land- stände auch schon am 2. Sept. 1861 dem Landtag beigewohnt, in welchem Falle sie die oppositionelle, liberale Tendenz verstärkt hatten. 109 Prot, vom 22. Apr. 1862, HK 1862/11175 (ad 5515); ebda. Bericht von Hausens vom-23. Apr. 1862; ebenso von Hausen an Fürst, 3. Mai 1862, LRA 1862/XV/15, Nr. 514 pol. 110 Von Anfang Juli bis ca. Mitte August 1862 weilte Johann II. ausserdem in London; er hoffte, dass die Sache bis zu seiner Rückkehr erledigt sei, in welchem Falle er das Land besuchen wollte; Hofkanzlei an Linde, 16. Juni 1862, HK 1862/7248. 278
        

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