Abgeordneten noch kein Geistlicher finden sollte — freilich wäre dieser 17. Vertreter nur zu Beratung und Abstimmung über kirchliche Be- lange einberufen worden. Die Verantwortlichkeit des Landesverwesers, der wie alle Staatsdieher Liechtensteiner sein sollte, würde genauer umschrieben, indem der Landrat ihn wie auch die übrigen Beamten in den Anklagestand versetzen könnte, was einen' Schritt zum parla- mentarischen System hin bedeutete. Zudem sollte der Landrat mit Beschwerden direkt an den Fürsten gelangen können, womit dieser eine gewisse neutrale Funktion zwischen Volksvertretung und Voll- ziehuhgsbehörde zugewiesen erhalten hätte. Kommissionen und Ab- stimmungsfristen sollten Beschlüsse des Landrates vor fehlender Sach- kenntnis und Übereilung sichern. Indem eine Reihe wichtiger Gegen- stände einer späteren Regelung durch Gesetze vorbehalten wurden — die Gerichtsorganisation, die Militäraushebung, Besoldungen und Pen- sionen, den Staat betreffende kirchliche Angelegenheiten, Nachfolge, Vormundschaft und Regierungsverwesung des Fürsten^—, sollte dem Ländrat darin eine entscheidende Mitsprache gesichert bleiben. Für das Gerichtswesen wurden grundsätzlich schon die Trennung von Justiz und Verwaltung sowie die Rechtsprechung durch ausschliesslich ge- prüfte Richter festgesetzt. Der umfassende Grundrechtskatalog sah nun die Gewissens- und Kultusfreiheit vor sowie die Rechte des Bürgers, gegen den Staat gerichtlich zu klagen und zu allen gerichtlichen Ent- scheiden und Urteilen Gründe zu erhalten. Neben den Rechten wurde nun auch die Pflicht zum militärischen Dienst und im Falle der Not zur Verteidigung des Vaterlandes durch alle "Waffenfähigen bis zu 60 Jahren ausgesprochen. Den Eid der Treue zum Fürsten, auf Ver- fassung und Gesetze sollte auch die Geistlichkeit leisten. Zur Lösung von Verfassungskonflikten wurde ein heikles Verfahren vorgesehen: Der Landrat sollte in einem solchen Fall drei Juristenfakultäten von drei verschiedenen deutschen Staaten vorschlagen, von welchen die Regierung eine auswählen würde, deren Interpretation dann als authentisch zu gelten hätte; damit wäre die Auslegung der Verfassung dem Fürsten entwunden und einer aussenstehenden, unabhängigen In- stanz übergeben worden — zweifellos zugunsten der Volksvertretung. Das ganze Verfassungsprojekt war vom Gedanken durchwaltet, dass nichts Wichtiges im Staat ausserhalb der Zustimmung und Kon- trolle des Landrates und indirekt also des Volkes geschehen dürfe. Die 272
        

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