statten sowie den Landständen das Recht der Beratung und Begut- achtung des nächstjährigen Budgets einräumen.33 Von Hausen berichtete dem Fürsten in besorgtem Ton über die Vor- gänge: «Diese Landtagsversammlung drückte recht deutlich die politi- sche Stimmung der hierländigen Bevölkerung aus»; die Ehrfurcht vor dem Fürsten verbiete ihm, die Äusserungen der Stände wegen der bis- herigen Missachtung aller Bitten um Mitbestimmung wiederzugeben (!), als treuer Diener seines Fürsten sehe er sich aber gezwungen, die wahre Sachlage zu schildern: «Der Mangel gesetzlicher Basis einerseits und die Huldigung des 'dolce far niente' andererseits hatten meinen Amts- vorfahren allmählig in den Zustand der Lethargie versetzt, und mit ihm kam die ganze Verwaltungsmaschine in's Stocken! Die allgemeine Unzufriedenheit, die hiedurch bei der hiesigen Bevölkerung wachge- rufen wurde, theilte sich allen Ständen mit, und so hört man vom Bürger und vom Bauer, vom Geistlichen und Privaten nichts als Kla- gen und wieder Klagen.» Von Hausen bat den Fürsten dringend, den Augenblick zu ergreifen und das Wort seiner Ahnen durch Gewährung einer «freien Verfassung auf konstitutioneller Basis» zu lösen. Ein län- geres Zaudern könnte alle späteren Bemühungen um das Vertrauen zu Fürst und Regierung zunichte machen.34 Das Vorgehen der Stände war nicht nur verfassungswidrig,35 es stellte überdies auch einen schweren Verstoss gegen die Bundesgesetze dar: Nach dem Bundesgesetz vom 28. Juni 1832 durfte das Steuerbe- willigungsgesetz der Stände nicht zu Bedingungen gegenüber der Re- gierung missbraucht werden. Bedingte Bewilligungen wie im vorliegen- den Fall galten als «Aufruhr», zu dessen «Dämpfung» die Bundeshilfe 33 Bericht von Hausens vom 4. Sept. 1861 an den Fürsten über die Vorgänge auf dem Landtag vom 2. Sept. 1861, HK 1862/11845 (1861/9874). - Die Versuche der Landstände in den ersten Jahren nach 1818, mehr Rechte zu erlangen, waren nie in solcher Unbedingtheit und Einstimmigkeit gesche- hen, sondern nur in Form von Bitten oder als Einzelaktionen; siehe Qua- . derer, S. 33 ff., 43 ff. 34 Von Hausen wollte dem Fürsten die prekären Verhältnisse mündlich weiter ausführen; siehe oben Anm. 33. 35 § 11 der Verfassung von 1818 besagte, dass die Landstände nur . über die Einbringlichkeit der Steuern beraten dürften und für dieselbe zu sorgen hätten. 256
        

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