Gesinnungen des verstorbenen Fürsten sowie seine eigene Weltan- schauung nahezubringen, was er mit der grössten Beflissenheit unter- nahm.148 Ehemals hessischer Staatsrat und Kanzler der Universität Giessen, hatte Linde in der Paulskirche der äussersten Rechten ange- hört. Seit 1850 stand er im Dienst der österreichischen Gesandschaft und war zugleich liechtensteinischer Gesandter beim Bund.149 Linde war in dieser Zeit zu einer Art Ratgeber der fürstlichen Familie ge- worden.150 Fürst Johann II. erteilte ihm samt seiner Familie am 10. Mai 1859 das liechtensteinische Staatsbürgerrecht.151 Linde übte sowohl in den Bildungsjahren als auch in den ersten Regierungsjahren Johanns II. einen bestimmenden Einfluss auf ihn und damit auf die liechtenstei- nische Politik aus. Die Verfassungsfrage hätte wegen der Regentschaft allerdings noch nicht ruhen müssen. Im Sommer 1859 wurde der Menzingersche Ent- wurf auf Geheiss der Fürstin von Wien aus an Linde nach Frankfurt zur Begutachtung gesandt.152 Der Regierungsamtsadjunkt Kessler führte mit dem Fürsten Besprechungen über die Verfassung.153 Beim Steuer- landtag am 12. September 1859 waren die Landstände nur mehr schwer zu beruhigen mit dem Hinweis, dass die Verfassung zur Sprache, ge- bracht sei und gewiss nur «wegen eingetretenen besonderen Zeitverhält- nissen» Aufschub erlitten habe154 — gemeint waren der italienische Krieg und die damit verbundene europäische Spannung. Die Bitten der 148 Johann II. besuchte in der Folge zeitweilig die Hochschulen in Bonn und Karlsruhe und unternahm in Begleitung des von Linde zu diesem Zweck ausgesuchten Barons Karl von Vogelsang ausgedehnte Bildungsreisen ins Ausland; vgl. Wilhelm, S. 180 f. - Baron Karl von Vogelsang (1818 - 1890), kathol. Publizist und christl. Sozialpolitiker, seit 1859 Erzieher und Reise- begleiter Johanns II. 149 Zu Linde siehe oben S. 155, 180. 150 Dies geht aus der Korrespondenz Lindes mit Alois II. in den Jahren 1850 bis 1858 und mit der Fürstin 1858/59 hervor. BAF Nachlass Linde 60. 151 Bestätigung Johanns II. vom 25. Mai 1859, in beglaubigter Abschrift vom- 31. Okt. 1862, LRA 1866/1140. • 152 Hofkanzlei an Linde, 4. Juli 1859, BAF Nachlass Linde 58. 153 Bitte von Kessler und Lt. Rheinberger um Audienz, von Menzinger dem Fürsten vorgelegt, 29. März 1859, LRA C/3, o. Nr.; Regierungsamt an Fürst, 13. Sept. 1859, LRA 1861/XV/15, ad 1025. 154 Regierungsamt an Fürst, 13. Sept. 1859, siehe oben Anm. 153. 243
        

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