VII. Kapitel: Neue Reform- und Verfassungs- bestrebungen 1852- 1860 Mit der wirtschaftlichen Konsolidierung Liechtensteins fiel zeitlich der Rückschlag der Reaktion zusammen. Diese wirkte sich freilich nicht wie in andern Staaten in einer Knebelung der Freiheit und einer Verstärkung des Polizeistaates aus, sondern in einer jahrelangen Ver- zögerung von notwendigen innenpolitischen Reformen. Das Schulwe- sen, die Zehntfrage, das Handels- und Gewerbewesen, das Verhältnis von Kirche und Staat, besonders aber die Staats- und Gemeindever- fassung fanden vorerst keine Lösung. Für die nächsten Jahre nach 1852 war Liechtenstein ein blosser Verwaltungsstaat. Selbst die Landstände wurden bis 1857 nicht mehr einberufen. Mit dem Tode Alois' II. im Jahre 1858 trat dann eine erste Wende ein. Die Fortschritt fordernden Kräfte im Lande selber regten sich aber schon vorher wieder. 1. Bis zum Tode Alois'II. Fürst Alois II. war persönlich reformfreudig und aufgeschlossen, aber zugleich vielleicht allzu umsichtig. Ausserdem war er in seinen letzten Jahren öfter krank.1 Dennoch unterblieben unter ihm nach 1852 nicht alle Verbesserungen, nur geschahen sie im alten Stil. a) Fortschritte Von 1850 an nahmen die schon seit den Dreissigerjahren mühsam hingeschleppten Entwässerungsarbeiten im Flachland einen erfolg- reichen Verlauf unter der Leitung des württembergischen Ingenieurs Kümmerle.2 In den Jahren 1855 bis 1859 wurden alle Waldungen des 1 Vgl. Lowy, S. 34 ff.; Wiener Kirchenzeitung, 24. Okt. 1856, Nr. 86, S. 687 f. 2 Fürst Johann I. hatte 1832 die allgemeine Entwässerung befohlen; Men- zinger an Fürst Johann IL, 18. Dez. 1860, LRA CI/95, ad 1381. - Johann Jakob Kümmerle entpuppte sich als politischer Flüchtling, er hatte am badischen Aufstand von 1849 teilgenommen und musste daher seine Arbeit in Liechtenstein unterbrechen, um in Württemberg eine Kerkerstrafe zu verbüssen; auf Verwendung der liechtensteinischen Gemeinden und des Fürsten konnte er aber nach einem halben Jahr 1855 bereits wieder 
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