nämlich sein Übergewicht zur Mediatisierung der Nachbarn auszu- nützen. Bis anfangs April hatte man sich bis auf wenige finanzielle Fragen geeinigt.35 Aus dem Bericht des österreichischen Handelsministers ans Aussen- ministerium gehen sehr schön die österreichischen Beweggründe her- vor: «Politische und finanzielle Gründe lassen einen Anschluss des Fürstenthums Liechtenstein an das österreichische Zollsystem als wünschenswerth erscheinen. Das Fürstenthum ist von jeher, besonders aber seitdem auch die Schweiz ein geschlossenes Zollsystem angenom- men hat, der Sitz eines lebhaften Schmuggelhandels nach Österreich gewesen, politisch bedenkliche Bewegungen hatten dort einen freien Boden, unsern Bestrebungen für eine Einigung Deutschlands wurde stets entgegengestellt, dass wir nicht einmal das von uns fast ganz um- schlossene Fürstenthum, dessen Souverain sich mit Stolz einen Unter- thanen des Kaisers nenne, mit uns zu vereinen vermocht hätten, end- lich würde der Anschluss des Fürstenthums in dem jetzigen Augenblick ein schlagender Beweis gegen die von unsern Gegnern behauptete Un- möglichkeit sein, mit Österreich bei seinen jetzigen Valuta- und Grenz- bewachungs-Verhältnissen eine Zolleinigung einzugehen, und würde als ein glückliches Vorzeichen des Gelingens unserer in Verhandlung begriffenen umfassenden Pläne betrachtet werden.«36 Der Handels- minister wünschte eine möglichste Beschleunigung, damit der Äb- schluss des Vertrages noch während der Dauer der Wiener Zollkonfe- renzen zustande käme.37 Graf Buol-Schauenstein, der nach dem am 5. April 1852 erfolgten Tod von Schwarzenberg das Aussenministerium weiterführte, wiederholte dem Kaiser die gleichen Argumente und betonte die politischen Vor- teile noch stärker. Er erwartete vom liechtensteinischen Zollanschluss einen bedeutenden Eindruck auf die Regierungen jener Staaten, die durch die Einwände der Gegner Österreichs schwankend gemacht wor- den waren.38 Österreich und Preussen unternahmen gerade in diesen 35 Handelsminister Baumgartner an Ministerium des Äussern, 11. Apr. 1852, HHSTA A. A. F 59/6. 36 Ebda. 37 Ebda. 38 Vortrag von Buol-Schauenstein beim Kaiser, 19. Apr. 1852, HHSTA A. A. F 59/6. 193
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.