Bundesakte29 verpflichtet, eine landständische Verfassung in Liechten- stein einzuführen. Eine solche erliess er daher am 9. November 181830 ohne Vereinbarung mit einer Stände- oder Volksvertretung, gemäss dem monarchischen Prinzip und nach dem Grundsatz, «dass der Regent freywillig so wenig als möglich von seinen Rechten abtreten müsse».31 Diese oktroyierte Verfassung stand 1848 noch in Wirksamkeit; den Namen einer Verfassung verdienten die nur siebzehn Artikel freilich im Grunde kaum. Um die Verfassungsautonomie der Einzelstaaten nicht anzutasten, hatte man vermieden, sich in der Bundesakte darüber auszusprechen, was unter Landständen zu verstehen, welche Rechte sie erhalten soll- ten, wann und wie die landständische Verfassung einzuführen wäre.32 Dies blieb dem Ermessen des Herrschers anheimgestellt. Die Wiener Schlussakte von 1820 setzte nur nachträglich fest, dass die landstän- dische Verfassung nur auf verfassungsmässigem Wege geändert werden könne, dass das monarchische Prinzip gewahrt bleiben, also die ge- samte Staatsgewalt im Regenten vereinigt bleiben müsse und der Sou- verän nur in der Ausübung bestimmter Rechte durch die Verfassung an die Mitwirkung der Landstände gebunden sein dürfe, und dass er nicht durch die landständische Verfassung an der Erfüllung der Bundespflich- ten gehindert werden dürfe.33 Doch änderten diese erst nach dem liechtensteinischen Verfassungserlass aufgestellten Bestimmungen des Bundes die liechtensteinische Verfassung umsoweniger, als diese ihnen mehr als nur zuvorgekommen war und das monarchische Prinzip in seiner Absolutheit aussprach. Von den politischen Untergewalten im Ständestaat — Adel, Geist- 29 Bundesakte vom 8. Juni 1815, Huber, Dok. I, S. 75. Dazu Quaderer, S. 16 f.; Huber I, S. 583 f. 30 Landständische Verfassung vom 9. Nov. 1818, gedr. bei In der Maur, Feld- marschall, JBL 1905, S. 213 ff. Siehe die eingehende Besprechung der Ver- fassung bei Quaderer, S. 17 ff. 31 Vgl. die'äusserst aufschlussreichen «Ansichten Nach welchen die ständische Verfassung des souverainen Fürstenthums Liechtenstein entworfen und er- lassen worden ist», 15. Febr. 1819, dazu Hofkanzlei an Landvogt, 30. Apr. 1819, LRA C; die «Ansichten» stammen ebenfalls von der Hofkanzlei. 32 Huber I, S. 640 ff. 33 Wiener Schlussakte vom 15. Mai 1820, Art. 56 - 58, Huber, Dok. I, S. 88 f. 19
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.