Alois II. anerkannte die Reichsverfassung vorläufig ebenfalls nicht. «Dass mir Österreich über alles geht, verhehle ich Ihnen nicht», ge- stand er Holzhausen, den er beauftragte, an allfälligen Beratungen der deutschen Regierungen, wie sie Preussen vorschlug, teilzunehmen.133 Jeder Einigung mit Österreich über das künftige Deutschland wollte er gerne zustimmen. Ergäbe sich keine engere Verbindung mit Österreich, so sollte möglichst bald ein Bundesverhältnis geschaffen werden, das die gegenseitige Freizügigkeit und freien Handelsverkehr sicherte; im Falle eines losen Doppelbundes sollte die Aufnahme wenigstens Vor- arlbergs und Liechtensteins in den deutschen Zollverein beantragt wer- den. Erneut wies der.Fürst Holzhausen an, zusammen mit Schädler auf eine erträgliche Selbständigkeit des Fürstentums hinzuwirken.134 Ausser in der zentralen österreichischen Frage hegte der Fürst gegen die Reichsverfassung kaum Vorbehalte, obwohl sie die Souveränität seines Landes wesentlich eingeschränkt hätte. Doch schienen ihm die grösse- ren Staaten berufen, «an der Vollendung des neuen Baues die ersten Schlußsteine zu legen»; ihnen durch eine bejahende Erklärung zur Reichsverfassung vorzugreifen, wäre unklug gewesen.135" Der weitere Gang der Dinge rechtfertigte die vorsichtig abwartende Politik des Fürsten.' Es kam keine Vereinbarung der grösseren Staaten über die Reichsverfassung zustande. Die österreichische und die preus- sische Regierung beriefen die Abgeordneten aus der Nationalversamm- lung ab, andere folgten ihnen.136 Karl Schädler, der noch den ganzen April hindurch ausgeharrt hatte, verliess schliesslich anfangs Mai eben- 133 Fürst an Holzhausen, 11. Apr. 1849, HK H 1691. Dazu das Schreiben Holz- hausens an den Fürsten, 6. Apr. 1849, und die Antwort des Fürsten, 15. Apr. 1849, ebda., Nr. 4401 und 4699. 134 Siehe oben Anm. 133. 135 Fürst an Holzhausen, 20. Apr. 1849, HK H 1691, ad 4699. - Der Fürst liess ausserdem am 9. Mai 1849 der preussischen Regierung eröffnen, dass er jeder Neugestaltung Deutschlands, auf welche sich die zwei Hauptmächte einigen sollten, bereitwillig zustimmen werde und dass er im übrigen ebensosehr auf die Berücksichtigung der Volkswünsche zähle, wie ihm die Besorgnis fernstehe, «Vergrösserungssucht könne bei der Neu- gestaltung den kleineren Staaten gefährlich werden.» Eben dies schien Alois II. zu befürchten; Fürst an Holzhausen, 9. Mai 1849, HK 1849/5474. 136 Huber II, S. 860 f. 153
        

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