ein aufkeimendes liechtensteinisches Nationalgefühl zu nennen ver- sucht ist, so wurde es bereits stark erschüttert, indem der freie Verzicht auf den eigenstaatlichen Fortbestand als ensthafte Alternative erwogen wurde.123 Die liechtensteinische Geschichte näherte sich Ende 1848 und anfangs 1849 dem Einmünden in die österreichische. Die österreichische oktroyierte Verfassung vom 4. März 1849 rückte Österreichs engeres Anschliessen an Deutschland erst recht in die Ferne, da sie den Kaiserstaat als ganzes so stark verband, dass nur ein voll- umfänglicher Eintritt ins deutsche Reich oder aber ein Fernbleiben und dann im besten Falle ein völkerrechtliches Band als Möglichkeiten verblieben.124 Fürst Alois II. bejahte Schwarzenbergs Politik, weil er von der Mission der Österreicher als Vermittler zwischen dem germa- nischen und dem slawischen Kulturraum überzeugt war. Auch ein blosses Bündnis Österreichs mit Deutschland schien ihm besser als eine Abtrennung der deutschsprachigen Teile Österreichs zum Zwecke eines' grossdeutschen Nationalstaates.125 Über die fernere Behauptung der liechtensteinischen Selbständigkeit machte er sich keine Illusionen, wenn er am 25. März 1849 an Holzhausen schrieb: «Aufrichtig muss ich Ihnen gestehen, dass ich für das Fürstenthum das künftige Verhält- nis Österreichs zu Deutschland für massgebend halte, da an und für sich die Sonderstellung der enclave kaum haltbar wäre.»126 Doch be- stärkte er seinen Gesandten darin, weiterhin für die liechtensteinische Autonomie zu wirken, denn «nachdem sich so viel, was seit einem 123 Siehe auch schon Peter Kaisers Andeutung im Juli 1848, die aber noch nicht mit dieser Eindringlichkeit wie Schädlers Überlegungen ausgespro- chen wurde, oben S. 130. — Ein anderer Liechtensteiner freilich wünschte die Mediatisierung geradezu, um seine militärische Karriere zu fördern: Der 18jährige Leutnant Peter Rheinberger schrieb am 1. Aug. 1849 aus Heidelberg an seine Eltern in Vaduz: «Es geht hier stark das Gerücht, dass Hochenzollern mit Preussen verschmolzen werde. Was wird aus Liechtenstein werden? Sehr erwünscht wäre es mir, wenn auch wir zu einem grösseren Staate gestossen würden; warum werdet ihr leicht ein- sehen.» AFRh H 3. Zu Peter Rheinberger unten S. 362 f. 124 Vgl. Huber II, S. 814 f. 125 Fürst an Holzhausen, 26. März 1849, HK H 1691, bei Nr. 3221; ebda, weitere Korrespondenz. 126 Fürst an Holzhausen, 25. März 1849, HK H 1691. 127 Ebda. 151
        

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