Zu III : Aus dem Handschreiben des liechtensteinischen Volksvertreters in der Frank- furter Paulskirche, Dr. Karl Schädler, an Landesverweser Joh. Michael Men- zinger in Vaduz, 9. März 1849, LRA C: «Jn Betrachtung der Verhältnisse wie sie sind, und wie sie voraussichtlich kommen müssen, verfolgt mich seit einiger Zeit unablässig eine quälende Frage: sollen wir nicht jezt, wo es Zeit ist und leicht gienge, selbstthätig auf Mediatisirung dringen, oder sollen wir uns passiv am Schleptau der Ereignisse uns durch diese früher oder später medialisiren lassen ? Es ist mit Gewissheit anzunehmen, dass die Auslagen für die Ceniralgewa.lt in der nächsten Zukunft sehr bedeutend sein werden. Denn abgesehen von der Itcn Einrichtung einer so grossen Haushaltung, wie die des deutschen Reiches; für die Schaffung der Marine, Besoldung von R. Beamten, Geschäftsträgern, Consulaten etc, werden uns bald ein vieleicht mehrere Reichskriege auf den Hals wachsen, zu deren Bestreitung die gewöhnlichen Reichseinnahmen Zölle etc bei weitem nicht ausreichen werden. Bleiben wir selbständig, so haben wir diese Reichssteuren mr.trikelmässig zu tragen, und zahlen damit vielmehr als es uns vermöge unserer Vermögensverhältnisse treffen würde. Denn diese Ver- theilung sezl bei uns die mitlere Leistungsfähigkeit der Bevölkerung Deutsch- lands voraus, was leider sehr unrichtig ist. Jn Betracht der Verhältnisse, wie sie jezt sind, bin ich sicher, dass wir diese Steuern nicht leisten werden können. Wird da der Fürst nachhelfen? Jch bezweifle sehr dass er gewillt sein wird für ein Ding von so ephemerer Existens, wie unsere Selbständigkeit sein wird, so bedeutende Opfer zu bringen. Jedenfalls wäre hier eine bestimmte Zusage oder Erklärung ''sehr wünschbar* von Seite des Fürsten, sonst könnten wir leicht in Fall kommen, nach lange schmerzlich gebrachten Opfern aus Zah- lungsunfähigkeit abgeben zu müssen. Schliessen wir uns an Österreich so könnte es scheinen, dass wir in Bezug auf Zahlen aus der Bratpfanne in die Gluth springen und dennoch bleibt uns bei unserm Mangel an Stoff und Kraft zur Bildung eines Staates, wie ihn die neuern Verhältnisse wollen keine andere Wahl übrig. Sie würden mich sehr verpflichten, wenn Sie mir Jhre Erwägungen über dieses Thema mitheileten; für den diskreten Gebrauch derselben bürge ich Jhnen mit meinem Ehrenworth. — Bei der lle" Lesung des Wahlgesetzes fürs Volkshaus habe ich einen kurz moti- virten Antrag zur Wahrung unsers Vertrettungsrechtes in demselben gemacht, der dann mit Glanz durchfiel. Mit mehr Hoffnung kann man auf eine eigne Ver- tretung im Staatenhause rechnen, obschon der Ausschussantrag auch bei der 2ten Lesung auf Zusammenlegung Liechtensteins mit Österreich lauten soll. Jch danke Jhnen für Jhre gefällige Mittheilung von meiner Familie, der ich nun mitlerweile geschrieben habe, und bitte Sie mich Jhrer verehrten Familie und den H. Beamten zu empfehlen Frankfurt den 9le" März 1849 Jhr achtungsvoll ergebener Dr. Schaedler» 150
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.