IV. Kapitel: Liechtenstein und die deutsche Nationalversammlung Ein Ziel der deutschen Revolution war die nationale Einigung. Durch ein Volksparlament, dem die Idee der Volkssouveränität Pate stand, sollte die Nation das unbewegliche Gebäude des Deutschen Bundes zu einem nach innen und aussen starken und funktionsfähigen Staat um- gestalten. Die in allen Bundesgebieten vom Volk gewählten Vertreter versammelten sich am 18. Mai 1848 in Frankfurt. Der feierliche Zug, der mit schwarz-rot-goldenen Fahnen, unter dem Jubel der alten Reichs- stadt, mit Geläute und Kanonendonner zur Eröffnungssitzung in die Paulskirche einzog und in dem auch der Liechtensteiner Peter Kaiser mitschritt, spiegelte die erwartungsvolle Begeisterung in ganz Deutsch- land für das zu schaffende Werk wieder:1 Wir fragen, wie die liechten- steinischen Vertreter — Peter Kaiser bis Ende September 1848 und Karl Schädler von Januar bis Mai 1849 — in der Nationalversammlung mitwirkten, wie sich Alois II. zur Nationalversammlung stellte, was für Ziele sie in bezug auf Liechtenstein wie in bezug auf Deutschland verfolgten, welche Konsequenzen sie aus den sich abzeichnenden Er- gebnissen für Liechtenstein zogen. Wir fragen aber auch, wie Liechten- stein als Zwergstaat von der Nationalversammlung behandelt wurde, welche Perspektiven sie eröffnete und welche Wirkung die ja im ganzen schliesslich gescheiterte Nationalversammlung auf die liechtensteinische Entwicklung übte. 1. Die liechtensteinischen Erwartungen Die Vorstellungen und Wünsche in den deutschen Staaten und in der Nationalversammlung zu der Gestalt des künftigen deutschen 1 Verh. Nat.Vers. Bd. I, Einleitung, S. 1 ff. - Statt Mauren steht als Herkunfts- ort von Kaiser fast durchwegs «Mauern» in den stenographischen Berichten. Kaiser und Schädler entsprachen dem sozialen Bild der Nationalversamm- lung; die überwiegende Mehrzahl der rund 585 Mitglieder waren akade- misch gebildet, standen in öffentlichen Ämtern oder gehörten doch der besitzenden Schicht an; neben einem einzigen Bauern fehlten Vertreter der Arbeiterschaft noch überhaupt; vgl. Huber II, S. 610 ff. Zur Nationalver- sammlung besonders Valentin. 125
        

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