und Zoll, Weggeld, Ohmgeld, behebte Steuer sowie Jagd und Fischerei als Staatsregale erklärt. In der Domänenfrage allerdings nahm man die frühere Kompromissformel aus Peter Kaisers Entwurf auf: Die Domä- nen würden dem Fürsten zum Genuss überlassen, als Zivilliste. Diese Lösung, die sich übrigens schon in den Verfassungen von Baden (1818) und Sigmaringen (1833) vorgezeichnet fand,90 bedeutete den ersten Schritt zur Verstaatlichung der fürstlichen Güter. Denn wenn man die fürstlichen Domänen trotzdem weiterhin als Privatgüter hätte bezeich- nen wollen, so wäre die Benennung ihrer Erträgnisse als Zivilliste eine reine Fiktion gewesen, da der Fürst sie sich selber bezahlte. Die weite- ren Bestimmungen des Entwurfs bestätigen dies nur. Die Belastung und die Veräusserung der Domänen unterlägen der Zustimmung des Landrates, der auch jederzeit Einblick in die finanzielle Lage der Do- mänen nehmen könnte.91 Natürlich gründeten diese Bestimmungen wie jene, wonach die Grenzen des Fürstentums nur durch Gesetz geändert werden könnten, auch in dem Bestreben, die staatliche Integrität zu sichern. Das Verhältnis von Kirche und Staat fand im Entwurf eine Formu- lierung, die einerseits eine Unterstellung der Kirche unter Verfassung und Gesetze, andererseits ein gewisses Selbstbestimmungsrecht der Geistlichen des Landes und deren Gleichberechtigung im Bistum an- strebte. Die bisherige Stellung der liechtensteinischen Geistlichen in- nerhalb des Landes war als allzu frei und ungebunden empfunden worden und hatte schon wiederholt zu Anstössen geführt, während es umgekehrt nachgerade für eine Schmach angesehen wurde, dass die Bischöfswürde den "graubündischen Geistlichen vorbehalten blieb.92 Die Landesgeistlichkeit sollte sich daher ein eigenes Oberhaupt, einen Dekan, wählen, der die kirchlichen Angelegenheiten im Lande zu über- wachen und die liechtensteinische Priesterschaft in Chur zu vertreten nicht zu den Feudalgaben, sondern zu den Regalien gerechnet. Zu den einzelnen Feudalleistungen siehe oben S. 33 f. und Anhang B ff. 90 Verfassung von Baden von 1818, § 59, Huber, Dok. I, S. 164; Sigmaringer Verfassung 1833, §§ 73 u. 74. 91 Die wie eine Rechtfertigung wirkende Erläuterung im Bericht des Ver- fassungsrates vom 1. Okt. 1848 stellt gerade eine affirmatio in negatione dar, siehe oben Anm. 60. 92 Bericht des Verfassungsausschusses, zu §§ 21 u. 22, siehe oben Anm. 60. 115
        

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