VORWORT Das Revolutionsjahr 1848 und das Kriegsjahr 1866 umgrenzen mit gutem Grund zeitlich die vorliegende Untersuchung: Im ersteren nahm die liechtensteinische Verfassungsbewegung ihren turbulenten Anfang, das letztere brachte Liechtenstein den Austritt aus dem Deutschen Bund. Die Geschichte dieser achtzehn Jahre ist denn auch zu einem grossen Teil Verfassungsgeschichte und aussenpolitische Geschichte. Verfassung wird dabei verstanden als Summe nicht nur der staatlichen Rechts- normen, sondern auch der im Staat wirkenden Kräfte, Ideen und Strö- mungen politischer, ökonomischer, sozialer und kultureller Natur. Ein dritter, eng mit Aussenpolitik und Verfassung verbundener Schwer- punkt ergibt sich aus dem wirtschaftlichen Existenzkampf des Landes. Seit den Befreiungskriegen drangen die Ideen der Französischen Revolution auch in Deutschland ein und Hessen den Ruf nach Ver- fassung und nationaler Einheit dringender werden. Die Revolution von 1848 brachte die bestehenden Ordnungen ins Fliessen und legte trotz der zeitweiligen Reaktion die Voraussetzungen für den endgültigen Übergang vom Absolutismus zum Konstitutionalismus. Zugleich ver- suchte sie, Deutschland eine neue Gestalt zu geben. Mit der aufbrechen- den Rivalität Österreichs und Preussens zeichnete sich der Zerfall des Bundes seit den Fünfziger]ahren ab. Wir fragen im folgenden, wie sich dieser Übergang in Liechtenstein vollzog, wie der das ganze 19. Jahrhundert durchwaltende Gegensatz von Monarchie und Volkssouveränität bewältigt wurde, wie weit die innere Entwicklung durch die äusseren Gegebenheiten und Ereignisse bestimmt wurde, wo sich Möglichkeiten einer anders gearteten Ent- wicklung — meist gefahrvoll — auftaten, wie Liechtenstein sich zwi- schen den grösseren Wirtschaftsräumen behaupten konnte und wie es seine Politik gegenüber Österreich, der Schweiz und dem Deutschen Bund so zu richten wusste, dass es diesen als kleinstes Mitglied zu überleben vermochte. Es gilt, die Voraussetzungen für das Ubergreifen der ganz Europa erfassenden Revolutionsbewegung auf Liechtenstein und ihr Weiterwirken aufzuzeigen. Ein besonderes Augenmerk ist der sich wandelnden Beziehung zwischen Volk, Regierung und Fürst und dem damit verbundenen Selbstverständnis der Bevölkerung als Liech- 11
        

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